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Federal Reserve Bank:US-Aufsicht wirft Deutscher Bank Pfusch bei Buchführung vor

Deutschlands größte Bank nehme es mit der Buchführung nicht so genau, klagt die New Yorker Fed. Berichte würden missverständlich formuliert, handschriftlich nachgebessert und schlecht kontrolliert. Angeblich weiß der Konzern schon seit Jahren davon - und tat nichts.

  • Die New Yorker Federal Reserve Bank hat dem Wall Street Journal zufolge Vorwürfe gegen die US-Tochter der Deutschen Bank erhoben: Die Buchführung sei mangelhaft, Aufsicht und technische Abläufe hätten Schwächen.
  • Die Bank wusste angeblich seit Jahren von den Problemen, ohne sie zu lösen.
  • Nun will das Unternehmen die Kontrollen verbessern.

Brandbrief an das Management

In einem Brief an die Deutsche Bank schreibt die New Yorker Notenbank, der Konzern müsse seine offiziellen Berichte grundsätzlich anders angehen. Die Buchführung werde unzureichend kontrolliert. Die Bank sei durch die mangelhafte Informationsstruktur unfähig, akkurate Berichte abzufassen. Dadurch ergäben sich wiederum Fehler: Anweisungen seien missverständlich, Daten würden unzureichend überprüft, außerdem würden Berichte ständig handschriftlich nachgebessert, heißt es in dem Schreiben, aus dem das Wall Street Journal zitiert.

Die US-Regulierer nehmen die Tochtergesellschaften ausländischer Banken nach der Finanzkrise verschärft unter Beobachtung. Mehrere Banken mussten bereits hohe Strafen für Tricksereien zahlen.

Fehler schon Jahre bekannt

Die Deutsche Bank habe "keine Fortschritte" darin gemacht, die ihr bekannten Probleme zu lösen, heißt es zudem in dem Brief der Fed. Seit 2002 habe die Notenbank auf die Schwächen im Berichtswesen der Deutschen Bank hingewiesen, sagt Daniel Muccia. Er ist bei der New Yorker Fed für die Aufsicht der US-Töchter ausländischer Geldinstitute zuständig. "Das Beunruhigendste ist, dass - obwohl die Ursachen für diese Fehler nicht angegangen worden waren - das Management frühere Kontrollprobleme als erledigt ansah", so Muccia.

Reaktion der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank hat bereits reagiert. "Wir werden weiter daran arbeiten, unserer Kontrollsystem zu verbessern und wollen in der Branche darin führend sein", hieß es aus dem Konzern. Dafür gebe er weltweit eine Milliarde Euro aus und beschäftige 1300 Mitarbeiter.

Senator nimmt sich Konzern vor

Vorwürfe erhebt nicht nur die Fed. Auch einer der profiliertesten Finanzmarktkritiker, Carl Levin, hat sich die Deutsche Bank vorgeknöpft: Das Geldinstitut habe einem der erfolgreichsten Hedgefonds der Welt, Renaissance Technologies, geholfen, mit dubiosen Finanzprodukten knapp sieben Milliarden Dollar Steuern zu sparen.

© Süddeutsche.de/Reuters/sana/jab/leja
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