Fall Khashoggi Saudi-Milliarden verunsichern plötzlich das Silicon Valley

Tesla bekam Milliarden aus Saudi-Arabien

(Foto: REUTERS)

Viele bekannte US-Start-ups haben viel Öl-Geld aus Saudi-Arabien genommen, und das sehr gerne. Der Tod von Jamal Khashoggi macht die Firmen jetzt nervös.

Von Malte Conradi, San Francisco

Lange war es für beide Seiten ein Geschäft, von dem alle profitierten. Die Gründer im Silicon Valley nahmen das Geld aus Saudi Arabien gerne und der Wüstenstaat verringerte mit den Investitionen in junge zukunftsträchtige Unternehmen seine Abhängigkeit vom Öl. Doch nun wachsen die Zweifel. Auslöser heftiger Diskussionen im Silicon Valley ist der Tod von Jamal Khashoggi, einem prominenten Journalisten und Kritiker des saudischen Regimes.

Nun tauchen Fragen auf, die lange kaum einer stellte. Was sind das für Milliarden, mit denen Saudi-Arabien einen guten Teil des Job- und Start-up-Booms an der amerikanischen Westküste finanziert? Das Königreich behauptet, Khashoggi sei im Istanbuler Konsulat nach einem "Faustkampf" gestorben; die USA werfen dem Saudi-Arabien vor, Khashoggi ermordet zu haben. Ist es also schmutziges Geld, das nicht so recht zu dem im Silicon Valley verbreiteten Anspruch passen will, zu den Guten zu gehören und die Welt zu verbessern?

Saudi-Arabien räumt Tötung Khashoggis ein

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Für die Unternehmen sind das unbequeme Fragen. Zwar investieren auch andere Länder wie Japan oder China seit einigen Monaten massiv ins Valley, doch Saudi-Arabien hat wohl den größten Anteil daran, dass "die Finanzierung für junge Unternehmen keine Hürde mehr" ist, wie es ein amerikanischer Investor kürzlich formulierte. Die erste Reaktion auf die kritischen Fragen kam vor einigen Tagen von Dara Khosrowshahi, dem Chef des Fahrdienstleisters Uber. Er sagte seine Teilnahme an einer Konferenz in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad ab. Die Berichte über das Verschwinden Khashoggis beunruhigten ihn sehr, schrieb Khosrowshahi in einer Stellungnahme. Er beobachte die weitere Entwicklung der Angelegenheit genau.

Die plötzlich erwachte Kritik am Öl-Geld aus den Nahen Osten macht Uber noch nervöser als andere. Schließlich will das Unternehmen demnächst an die Börse gehen, es könnte der größte Börsengang eines Tech-Unternehmens werden, den es bislang gab. In so einer Situation kann man Unruhe nicht gebrauchen.

Es ist schon schlimm genug für Uber, verteidigen zu müssen, dass das bisherige Wachstum stark aus Saudi-Arabien finanziert wurde. 2016 steckte der staatliche Investitionsfonds 3,5 Milliarden Dollar in Uber. Über den Umweg des 100-Milliarden-Dollar-Mega-Fonds des japanischen Konzerns Softbank flossen weitere saudische Milliarden. Sollte Uber tatsächlich in den kommenden Monaten mit der erwarteten Bewertung von 120 Milliarden Dollar an die Börse gehen, wären die saudischen Anteile fast 17 Milliarden Dollar wert.

Auch der Mitgründer von AOL und heutige Investor Steve Case sagte seine Teilnahme an der Konferenz ab. Jamie Dimon, Chef der Bank J.P. Morgan zog ebenso nach wie Blackrock-Chef Larry Fink und Blackstone-Chef Steve Schwarzman. An der Konferenz Ende Oktober noch teilzunehmen, ist inzwischen zu einem Imagerisiko für US-Unternehmen geworden. Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat seine Teilnahme abgesagt, sagte eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Offiziell wollte sich das Kreditinstitut nicht äußern. Auch der Chef des Schweizer Elektrokonzerns ABB, Ulrich Spiesshofer, wird nicht nach Saudi-Arabien reisen.