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Facebook wirbt um Vertrauen:Zuckerberg sucht den Erfolg

Bei seinem ersten großen Auftritt seit dem verpatzten Börsengang gesteht Zuckerberg Enttäuschung ein - und blickt zugleich kämpferisch in die Zukunft. Mit konkreten Ideen hält sich der Facebook-Chef zurück. Eine eigene Facebook-Suchmaschine könnte Google allerdings bald Konkurrenz machen.

Menschen, die sonst immer gewinnen, werden genau dann interessant, wenn sie einmal verlieren. Mark Zuckerberg ist so ein Mensch. Der Facebook-Gründer beansprucht für sich, die Welt vernetzt zu haben. Sein Netzwerk hat fast eine Milliarde Mitglieder und sein Vermögen in Dollar übersteigt die Zahl der Facebook-User um ein Vielfaches. Doch mit dem Börsengang im Mai begannen die Probleme: Die Erwartungen der Anleger wurden enttäuscht - der Kurs der Facebook-Aktie brach mittlerweile um die Hälfte ein.

Wie würde der 28-Jährige nun reagieren, fragten sich viele. Und warteten mit Spannung auf seinen ersten öffentlichen Auftritt seit dem Börsen-Desaster. Die Antwort: Mit einer Charmeoffensive und neuen Zukunftsvisionen versuchte Zuckerberg, die Investoren auf einer Konferenz in San Francisco zu überzeugen.

Auf besonderes Interesse stieß seine Idee für eine eigene Facebook-Suchmaschine. Zuckerberg deutete einen Ausbau der Suchmöglichkeiten auf der Seite an. Eine leistungsfähigere Suchmaschine "wäre eine naheliegende, interessante Sache für uns in Zukunft", erklärte er. Bereits heute liefen täglich eine Milliarde Suchanfragen über Facebook, "und wir strengen uns eigentlich noch gar nicht an".

Ein Ausbau der Suchfunktion dürfte die Rivalität zwischen Facebook und Google weiter verschärfen. Google bemüht sich bereits, mit dem eigenen sozialen Netzwerk Google Plus seine Marktführerschaft unter den Internet-Suchmaschinen zu festigen.

Die Google-Suche funktioniert so gut, weil der Konzern alle Daten und Spuren auswertet, die die User in der Suchmaske und im sonstigen Internet hinterlassen. Könnte Facebook die Daten, die die Nutzer freiweillig in ihre Profile eingeben, ähnlich clever für eine Suche nutzen, würden die Suchtreffer viel personalisierter sein: Wer "Griechenland schönes Hotel" eingibt, findet keine Werbeprospekte, sondern etwa die Urlaubsempfehlung einer Bekannten.

Versäumnisse bei mobilen Geräten

Nachholbedarf sieht Zuckerberg aber vor allem in einem Bereich: Facebook habe es sich zur Priorität gemacht, für seine mehr als 900 Millionen Mitglieder auch auf Smartphones und Tablets verfügbar zu sein, sagte der 28-Jährige. Die Facebook-App sei für viele Nutzer nicht optimal gewesen. Das liege daran, dass er sich zu lange auf den Standard HTML 5 verlassen habe, damit die App auf möglichst vielen unterschiedlichen Mobilgeräten laufe.

Zuckerberg betonte aber, Facebook werde Wege finden, um stärker von der wachsenden Zahl seiner Nutzer zu profitieren, die mit Mobilgeräten auf das soziale Netzwerk zugriffen. Sein Unternehmen sei auf dem Weg, über seine App mehr Geld auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablet-Computern zu verdienen als auf Desktop-Computern.

Ein eigenes Smartphone, wie oft spekuliert wurde, will das Unternehmen aber nicht auf den Markt bringen. "Apple, Google, jeder baut Handys", sagte Zuckerberg kurz vor der erwarteten Präsentation des neuen iPhones von Apple. Auf diesem Gebiet nachzuziehen, wäre eine "schlechte Strategie". Statt ein eigenes "Facebook-Phone" zu bauen, wolle das Unternehmen vielmehr auf jedem Smartphone präsent sein, bekräftigte Zuckerberg.

Dass seine Firma auf den Mobilmarkt und den dort viel geringeren Platz für Werbeanzeigen schlecht vorbereitet sei, wies er zurück. "Wir sind jetzt ein mobiles Unternehmen." Weiter ins Detail wollte Zuckerberg aber nicht gehen. Die Chance sei riesig, sagte er. "Nun ist die Frage, wie wir sie nutzen."

Anleger reagieren positiv

Zuckerberg gestand allerdings ein, dass das Kursverhalten der Aktie "offensichtlich enttäuschend" gewesen sei. Dies habe auch die Moral seiner Mitarbeiter getrübt. Aber die Mannschaft von Facebook sei Kritik gewohnt und verfüge über einen "ziemlich guten Kompass" für bessere Tage.

Der Börsengang von Facebook war der größte aller Zeiten in der Technologie-Branche und einer der größten in der gesamten US-Börsengeschichte. Allerdings brach der Aktienkurs schon an den ersten drei Handelstagen um fast ein Fünftel ein. Der Wert der Papiere mit dem Erstausgabepreis von 38 Dollar hat sich seither halbiert.

Zuckerbergs Auftritt gab dem Kurs nun wieder einen leichten Auftrieb: Die Facebook-Aktie legte nach der Veranstaltung in San Francisco um 3,4 Prozent zu und notierte bei 20,10 Dollar je Aktie.

© Süddeutsche.de/dapd/AFP/bero/hgn

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