Europäische Zentralbank:EZB droht Banken mit höheren Anforderungen wegen Gewerbeimmobilien

Europäische Zentralbank: Vorbeifahrende Autos ziehen vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt Lichtspuren durch die Nacht.

Vorbeifahrende Autos ziehen vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt Lichtspuren durch die Nacht.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Die Europäische Zentralbank signalisiert den Geschäftsbanken laut Insidern, dass sie mit höheren Kapitalanforderungen rechnen müssen, wenn sie die Risiken aus Gewerbeimmobilien nicht im Griff haben.

Die Europäische Zentralbank signalisiert den Geschäftsbanken informierten Kreisen zufolge, dass sie mit höheren Kapitalanforderungen rechnen müssen, wenn sie die Risiken aus Gewerbeimmobilien nicht im Griff haben. Die Bankenaufsicht lege mehr Gewicht auf das Management von Risiken aus Gewerbeimmobilien im Rahmen ihrer Gespräche mit Bankmanagern im Vorfeld der jährlichen Festlegung der Kapitalquoten für die einzelnen Banken, berichten Insider mit Kenntnis der Sachlage. Zwar dürften die individuellen Kapitalanforderungen erst für das nächste Jahr gelten, doch sollen die Frühwarnungen die Banken in die Lage versetzen, Verluste aus diesen Krediten zu minimieren, so die Insider weiter. Die EZB lehnte eine Stellungnahme ab. Die Bankenaufsicht der Notenbank hat bereits öffentlich klargemacht, dass die Beseitigung von Versäumnissen beim Risikomanagement für sie höchste Priorität hat.

Das US-Gewerbeimmobilienrisiko schwappt nach Europa herüber

Die zur Inflationsbekämpfung angehobenen Leitzinsen belasteten den Gewerbeimmobilienmarkt zusätzlich, der im Bürobereich bereits durch den Trend zum Home-Office und im Einzelhandel durch die zunehmende Beliebtheit von Onlinebestellungen belastet war.

Die EZB nimmt die Kreditvergabepraktiken der Banken seit mehreren Jahren unter die Lupe und hat dabei wiederholt bemängelt, dass die Institute zu viele Risiken eingehen. Im Dezember kritisierte sie, dass Banken ihre Sicherheiten zu hoch bewertet hätten. Der Druck der EZB hat dem Vernehmen nach im letzten Jahr bereits dazu geführt, dass Banken für mögliche Verluste im Gewerbeimmobilien-Segment höhere Rückstellungen gebildet haben. Da inzwischen in einzelnen Fällen schon tatsächliche Kreditverluste eingetreten sind, entwickle sich die Haltung der Aufsicht weiter, heißt es.

Die Insider gehen nicht davon aus, dass die Turbulenzen auf dem Gewerbeimmobilienmarkt die Kapitalquoten der Banken wesentlich beeinträchtigen werden. Sie betrachten den Druck auf das Risikomanagement der Banken als eine Möglichkeit, die Schäden kleinzuhalten. Die EZB möchte sicherstellen, dass die Banken bei der Kreditanalyse gründlich und vorausschauend vorgehen, insbesondere wegen der veränderten Zinssätze, sagte Elizabeth McCaul, Mitglied im Aufsichtsgremium der EZB, unlängst bei einer Konferenz. Die Banken seien "langsam" dabei gewesen, Immobilienkredite als risikoreicher zu bewerten, so McCaul.

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