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Schuldenkrise in Europa:Wie Spaniens Banken den Euro gefährden

Spaniens Bauruinen lasten betonschwer auf den Bilanzen der Banken - und bringen den Euro ins Wanken. Nun will Madrid EU-Rettungsgeld. Europa muss die Regierung und jede einzelne Bank eisern kontrollieren - im Interesse Spaniens und Europas.

Spaniens Banken haben sich an ihren Kunden und an ihrem Land versündigt. Sie haben während des Immobilienbooms Kleinverdienern Kredite hinterhergeworfen, von denen schon vor der Wirtschaftskrise zweifelhaft war, ob diese sie je würden zurückzahlen können. Sie haben Geld in einen aufgeblähten Bausektor gepumpt und damit einem spekulativen Pyramidenspiel Nahrung gegeben.

Protester sticks sign on entrance of Bankia-Caja Madrid bank branch next to yellow banner during demonstration against Spain's bailout in Madrid

Madrid hat Bankenhilfe beantragt. Doch die spanischen Kreditinstitute brauchen vor allem: Lernhilfe. 

(Foto: REUTERS)

Das Ergebnis sind Bauruinen, die betonschwer in den Bilanzen der Banken lasten. Der Verband spanischer Bank- und Sparkassenkunden (Adicae) hat vor Jahren davor gewarnt, dass das nicht gut gehen kann. Die Warnungen verhallten ungehört - bis die Blase platzte. Nun bringt Spaniens Bankenkrise sogar den Euro ins Wanken.

Die Immobilie ist für Spanier der wichtigste materielle Wert

Adicae schätzt, dass eine Million Spanier ihre Hypothekenschulden nicht bezahlen können. Jede Woche werden Familien aus ihren Wohnungen geworfen. Viele Banken sitzen auf Immobilien, die sie weit unter Wert verschleudern müssen. Immerhin sind die größten Institute Santander, BBVA und La Caixa gesund, weil sie das Spiel nicht in dem Ausmaß mitspielten und ihr Heil im Auslandsgeschäft suchten. Aber auch bei ihnen gibt es den Hang zum Größenwahn, wie die pharaonische "Finanzstadt" von Banco Santander vor den Toren Madrids zeigt.

Die Immobilie ist für Spanier traditionell der wichtigste materielle Wert. 90 Prozent der Bürger sind Eigentümer. Vor allem kleine Sparkassen machten sich den Traum vom eigenen Heim zunutze, sie schufen eines der dichtesten und teuersten Filialnetze der Welt - um "nah am Kunden zu sein", wie es hieß. "Um den Kunden so viele Produkte wie möglich aufzuschwatzen, die er nicht versteht", sagt Adicae-Chef Fernando Herrero. Die Bank von Spanien ahnte, dass etwas faul war. Doch auch dort verhallten Warnungen ungehört, wie Funktionäre hinter vorgehaltener Hand zugeben.

Der Staat pumpte Milliarden ins System, die Last trugen die Anleger

Im Jahr 2010 machte Banco de España endlich den fälligen Stresstest - mit dem Ergebnis, das wackelnde Sparkassen zu großen Einheiten verschmolzen wurden, wie etwa Bankia. Der Staat pumpte Milliarden ins System, doch die größte Last trugen die Anleger. Guthaben von Kleinsparern wurden in Aktien der neuen Gesellschaften umgewandelt. 45 Milliarden Euro haben die Anleger auf diese Weise in die Sanierung investiert. Im Falle Bankias ist sie gescheitert. Mit dem Ergebnis, dass viele Bankkunden nun auch ohne Spargroschen dastehen.

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