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Etihad und Air Berlin:Mächtiges Manöver

Etihad Airways And Air Berlin Announce Joint Equity Alliance

Partner oder Chef und Mitarbeiter? Etihad-Boss James Hogan (l) und Wolfgang Prock-Schauer von Air Berlin.

(Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg)

Etihad Airways plant eine eigene Europa-Allianz: Die Großinvestoren aus Abu Dhabi möchten offenbar die Beteiligung an Air Berlin aufstocken und liebäugeln auch mit Alitalia. Doch es gibt Hindernisse.

Um Joachim Hunold und seine alten Kollegen ist es zuletzt still geworden. Nach seinem Rücktritt vom Air-Berlin-Vorstandsvorsitz behielt Hunold zwar seinen Sitz im Aufsichtsrat seiner Fluggesellschaft und seine Anteile. Doch wie die anderen alten Air-Berlin-Aktionäre konnten sie zuletzt nur zuschauen, was Großinvestor Etihad Airways mit ihrem Unternehmen so macht.

Doch ganz plötzlich könnten Hunold, Severin Schulte, Werner Huehn und die anderen in den Plänen von Air-Berlin-Haupteigner Etihad Airways plötzlich doch wieder eine entscheidende Rolle spielen. Sie sollen nach Informationen aus Branchenkreisen die Garanten dafür sein, dass die Mehrheit der Stimmrechte bei Air Berlin trotz gravierender Änderungen doch noch in europäischer Hand bleibt.

Etihad-Chef James Hogan möchte dem Vernehmen nach den Anteil von derzeit 29 auf 49,9 Prozent erhöhen und Air Berlin von der Börse nehmen. Eigentlich hätte die Airline aus Abu Dhabi gerne ganz das Sagen, doch als nichteuropäischer Investor muss sie zumindest formal in der Rolle des Minderheitsaktionärs bleiben - sonst droht Air Berlin internationale Verkehrsrechte zu verlieren.

Das Revirement setzt mehrere Dinge voraus: Die türkische ESAS Holding der Unternehmerfamilie Sabanci müsste ihre zwölf Prozent an Air Berlin verkaufen. Die Anteile könnte Etihad übernehmen und es wäre noch Luft für weitere acht Prozent bis zur Grenze von 49,9 Prozent. Doch für die insgesamt rund 38 Prozent, die derzeit von Kleinaktionären gehalten werden, braucht Etihad Investoren aus der Europäischen Union. Und es gibt derzeit offenbar niemanden, der sich neu an der angeschlagenen Airline beteiligen will.

Übliche Verdächtige wie der Nürnberger Flugunternehmer Hans Rudolf Wöhrl haben bereits abgewunken. Obwohl der Aktienkurs der Air Berlin aus einstigen Höhen längst abgesackt ist, sind rund 38 Prozent derzeit knapp 100 Millionen Euro wert - für Etihad ein Klacks, aber nicht für die Altaktionäre. Die entscheidende Frage ist daher: Woher kommt das Geld und steckt vermutlich Etihad selbst dahinter?

Hat Etihad jetzt schon zu viel Einfluss?

Das Geschäft ist nur genehmigungsfähig, wenn die tatsächliche Kontrolle des Unternehmens mehrheitlich von Bürgern der Europäischen Union ausgeht. Das Vorhaben ist schon deswegen politisch heikel, weil manche Etihad-Konkurrenten schon jetzt argumentieren, der Investor vom Golf übe auf informelle Weise schon jetzt einen größeren Einfluss auf Air Berlin aus, als ihm rein formal und basierend auf dem aktuellen Anteil zusteht.

Doch über vernehmbares Meckern gehen die Proteste derzeit noch nicht heraus. Das könnte sich allerdings bei einer Aufstockung ändern, zumal, wenn sich darüber hinaus noch angebliche Pläne konkretisieren, denen zufolge Etihad Air Berlin mit Alitalia zusammenlegen könnte.

Bis dahin dürfte es allerdings noch ein sehr langer Weg sein. Denn derzeit ist die Golf-Airline noch nicht einmal an Alitalia beteiligt. Etihad hat bestätigt, einen Einstieg (vermutlich ebenfalls mit 49,9 Prozent) zu erwägen und prüft derzeit die Finanzen der maroden italienischen Fluggesellschaft. Wie Air Berlin ist Alitalia über kurz oder lang auf frisches Kapital angewiesen.

Nachdem Air-France-KLM sich zuletzt weigerte, Geld an ihre Beteiligung nachzuschießen, bleibt den Italienern Etihad als letzte Hoffnung. Doch auch bei Alitalia darf ein nichteuropäischer Investor nicht die Mehrheit halten. Und im nicht sanierten Zustand würde eine Fusion der beiden Wackelkandidaten keinen Sinn ergeben.

Etihad ist in Europa an Air Berlin, Aer Lingus, Darwin Airline (Schweiz) und Air Serbia beteiligt, hinzu kommt womöglich bald Alitalia. Darüber hinaus hält die Airline Anteile an Virgin Australia, Air Seychelles und Jet Airways. Die Beteiligungsstrategie soll schnelles Wachstum ermöglichen, ist aber in der Branche äußerst umstritten. Die meisten der neuen Tochtergesellschaften sind Sanierungsfälle.