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Festival-Versicherung:Auf die Zeit danach

Wacken Heavy Metal Festival 2014

Das Wacken-Festival im gleichnamigen Ort hatte jährlich Zehntausende Besucher. Wie andere Veranstaltungen auch, musste es während der Pandemie ausfallen.

(Foto: Sean Gallup/Getty Images)

Wacken, Tollwood oder Parookaville: Die Firma Erpam versichert viele der großen Festivals. Jetzt wird sie mitten in der Pandemie verkauft.

Von Herbert Fromme, Köln

Heavy Metal vor 85 000 Menschen in Wacken. Rock, Liedermacher und Jazz beim Münchener Tollwood-Festival, das Hunderttausende Besucher anlockt. Elektronische Musik mit 200 000 Fans bei Parookaville in Weeze. Festivals sind Big Business - und leiden aktuell ganz fürchterlich unter der Pandemie.

Christian Raith ist Geschäftsführer des hochspezialisierten Versicherungsmaklers Erpam aus Starnberg bei München. Er arrangiert für alle drei Festivals die Versicherung. Auch Dorffeste oder Operngalas gehören zur Zielgruppe des Maklers, ebenso Film- und Tonstudios sowie Ausrüster. Raith sieht Erpam als die Nummer eins bei Entertainment-Versicherungen in Deutschland.

Veranstalter planen bereits für die Zeit nach der Pandemie

"Ich habe trotz Pandemie mehr Arbeit als sonst", sagt Raith. Denn er muss sich um Versicherungsleistungen für die Veranstaltungsausfälle seiner Kunden kümmern. Bei mehr als 100 Schadensfällen zahlten die Versicherer bislang knapp 150 Millionen Euro aus. "So ist sichergestellt, dass diese Kunden auch nach der Krise weiterhin existieren." Bereits jetzt werde an den Tourneen und Festivals für die Zeit nach Corona gearbeitet, inklusive Versicherung.

Gegründet wurde Erpam 1988 von Bernhard Eberhard. Seit 1995 ist Raith dabei, 2000 wurde er Gesellschafter. Jetzt haben die beiden das Unternehmen verkauft. Tobias Warweg, der mit Hilfe des britischen Investors HG Capital Makler nach Makler aufkauft und daraus eine große Gruppe mit jetzt schon 700 Mitarbeitern aufgebaut hat, hat auch Erpam übernommen. Bei etwa fünf Millionen Euro Umsatz im Jahr und einem geschätzten Gewinn von einer Million Euro dürfte der Kaufpreis irgendwo bei zehn Millionen Euro liegen. Raith und Warweg wollen dazu nichts sagen.

Für die Kunden und die etwa 30 Mitarbeiter soll sich nichts ändern. Die Belegschaft hat die Pandemie bislang gut überstanden: Es gab eine Delle im Geschäft und Kurzarbeit, aber keine Entlassungen. "Die Firmen bestehen ja weiter, die Technik wie die Scheinwerfer, die Lautsprecher und das Videoequipment gibt es weiterhin", sagt Raith. "Vieles davon ist geleased und muss schon deshalb versichert sein." Hinzu komme der Boom von Werbefilmen. "Die großen Autohersteller oder andere Firmen können nicht auf Messen gehen, da geht viel Geld in Werbefilme." Raith rechnet mit noch mehr Neugeschäft, sobald die Pandemie überwunden ist. Das neue Netzwerk helfe. "Schließlich sind wir jetzt Teil des fünfgrößten Versicherungsmaklers im deutschen Markt."

© SZ
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