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Energiebranche:Krach unter der Kuppel

Zerstrittene Minister, eine gespaltene Koalition, die Länder sauer auf den Bund - alles wegen der Atomkraft. Und die Energieindustrie? Die spekuliert gewaltig.

Politische Entscheidungen von nationaler Bedeutung - an der Ecke Mohren- und Mauerstraße in Berlin-Mitte sind sie eigentlich nicht zu Hause. Das Bundesland Thüringen lädt hier in seine Hauptstadtvertretung gerne zu Frühlingskonzerten ein. An diesem Donnerstag aber kommt große Politik zu Besuch.

Biblis A soll laenger am Netz bleiben

Das Atomkraftwerk im hessischen Biblis zählt zu jenen deutschen Meilern, die bald abgeschaltet werden sollen. Gleiches gilt auch für Neckarwestheim und Brunsbüttel. Diese älteren Kraftwerke sind in der Vergangenheit durch zahlreiche Zwischenfälle aufgefallen.

(Foto: ag.ddp)

Hinter der Fassade aus hellem Travertin will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einem Abendessen mit Länderchefs eine der heikelsten innerparteilichen Streitsachen klären: Längere Laufzeiten für deutsche Atommeiler.

Vor der nächsten Bundesratssitzung am Freitag wird die Kanzlerin am Rande eines Ländertreffens jene fünf Ministerpräsidenten zur Seite nehmen, in deren Ländern Atomkraftwerke stehen. Einziges Thema: die Bedingungen einer Laufzeitverlängerung. Bereits in dieser Woche könne eine Entscheidung fallen, wie lange die Meiler weiterlaufen dürfen, heißt es aus der Energiebranche.

Energiekonzept muss warten

Die Pläne der Kanzlerin seien weit fortgeschritten. In Verhandlungskreisen kursieren Zahlen, auf die sich die Emissäre von Wirtschaft und Politik einigen könnten: Die deutsche Atomwirtschaft rechnet mit neun bis elf Jahren mehr. Merkel wolle den Länderchefs bereits an diesem Donnerstag einen entsprechenden Lösungsvorschlag präsentieren, heißt es.

Ein umfassendes Energiekonzept muss allerdings bis Herbst warten. Merkel will vorher versuchen, den gefährlichen Brandherd der Koalition zu löschen. Vordergründig geht es bei dem Treffen darum, ob die Länder längeren Laufzeiten zustimmen müssen. Doch die Streithähne treffen sich vor allem, um tiefe Risse in der Koalition zu kitten.

Zuerst empfahl Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus Parteifreund Norbert Röttgen "ein anderes Betätigungsfeld", weil der bei seinen Plänen für einen raschen Atomausstieg blieb. Der attackierte Umweltminister legte nach und forderte von Mappus, Konflikte mit Argumenten auszutragen.