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Deutscher Mittelstand:Was macht eigentlich ... Willi Bruckbauer?

Der Dunst wird nach unten abgezogen. Und damit die Gerüche.

(Foto: Bora Lüftungstechnik)

Der Mittelstand gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Aber womit verdienen die Familienunternehmer ihr Geld? Wir stellen einige von ihnen vor. Ein Gespräch mit dem Schreiner Willi Bruckbauer über Störfaktoren in der Küche und seine Dunstabzugsysteme.

Was machen Sie eigentlich?

Wir produzieren Kochfelder und Systeme, die den Dunst ausschließlich nach unten absaugen.

Was heißt nach unten?

Bei der klassischen Haube wird der Dunst nach oben abgezogen, bei uns wird der Dunst da abgesaugt, wo er entsteht, direkt auf dem Kochfeld oder am Rand.

Da sind Sie nicht der einzige Anbieter, solche Systeme bieten doch auch größere Konkurrenten?

Das stimmt. Die Idee stammt nicht von uns. Aber unser System funktioniert besser als Dunstabzugshauben.

Was glauben Sie denn besser zu machen?

Unser System ist leiser, leicht zu reinigen und funktioniert effektiver als jede Dunstabzugshaube.

Wie funktioniert es denn?

Reine Physik. Unsere Systeme erzeugen eine Querströmung, die stärker ist als die Geschwindigkeit, mit der der Dunst aus Töpfen und Pfannen nach oben steigt.

Die Firma

Bora Lüftungstechnik GmbH

  • Gegründet 2007 durch Willi Bruckbauer, 48
  • Sitz: Raubling
  • Umsatz: zweistelliger Millionenbetrag
  • Beschäftigte: rund 70

Der Markt für Küchengeräte war 2007, als Sie Ihre Firma gegründet haben, schon ganz gut besetzt von potenten Konkurrenten?

Das habe ich auch schnell festgestellt. Es bestand eigentlich kein Bedarf.

War das eher Naivität oder Mut?

Mut ist auch das falsche Wort. Ich war eben überzeugt von meinem System. Ich muss vielleicht vorne anfangen.

Wo ist vorne?

Ich stamme aus einer Schreinerdynastie, sechs, sieben Generationen alt. Mein Vater hat noch heute eine Schreinerei. Für mich war es logisch, dass ich nach der Realschule auch Schreiner lerne. Ich habe auch ein paar Jahre als Schreiner gearbeitet und den Meister gemacht.

Warum sind Sie nicht in die Schreinerei Ihres Vaters eingestiegen?

Wir hatten die üblichen, unterschiedlichen Ansichten über die Ausrichtung des Geschäfts. Deshalb habe ich mich selbstständig gemacht und eine Firma für die Planung und Produktion von Küchen gegründet. Da habe ich dann festgestellt, dass die Dunstabzugshaube eigentlich immer ein Fremdkörper in der Küche ist. Deshalb habe ich schon immer Systeme verwendet, die den Dunst nach unten absaugen.

Von anderen?

Ja. Aber ich war nie mit deren Funktionsweise und dem Design ganz zufrieden. Da fing ich an, Ideen für eigene Systeme zu entwickeln. Wir haben dann Anfang 2007 die ersten Prototypen gebaut und uns das System patentieren lassen. Ein paar Monate später habe ich die Bora Lüftungstechnik gegründet, um die Systeme selbst zu entwickeln, selbst produzieren zu lassen und zu vertreiben.

Als Schreiner arbeiten Sie überhaupt nicht mehr?

Leider nein, das lässt sich nicht vereinbaren. Aber die Grundkenntnisse aus der Schreinerei waren wichtig. Da habe ich gelernt dass ich für jedes Problem ein Lösungsinteresse und einen Lösungsansatz brauche.

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