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Deutscher Mittelstand:Was macht eigentlich ... Peter Köhler?

Weidmueller, Detmold

Weidmüller stellt elektrische Verbindungen her.

(Foto: oh)

Der Mittelstand gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Wir stellen Familienunternehmer vor. Ein Gespräch mit Peter Köhler, dem Chef des Elektrotechnik-Spezialisten Weidmüller über den Übernahmekampf mit dem Wettbewerber R. Stahl.

Was machen Sie eigentlich?

Wir stellen Komponenten und Lösungen für elektrische Verbindungen her. Überall, wo Daten, Energie und Signale übertragen werden, stecken unsere Produkte, zum Beispiel in Schaltschränken und Steuerungen.

Mitte April haben Sie ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für das börsennotierte Familienunternehmen R. Stahl aus Waldenburg lanciert. Am Freitag haben Sie es von 47,50 auf 50 Euro je Aktie erhöht. Warum haben Sie nachgebessert. War Ihre erste Bewertung falsch?

Wir haben den Preis erhöht, weil wir von der industriellen Logik fest überzeugt sind und das Angebot dadurch noch attraktiver gemacht haben. Zudem wollten wir ein Signal senden: Momentan wird die Fassade des Widerstands von wenigen Personen auf das gesamte Unternehmen übertragen. Mit dieser Fassade blockiert man eine konstruktive Diskussion und damit die Entwicklung von R. Stahl.

Oder haben Sie sich einfach verzockt?

Nein, wir haben am Freitag sogar einen wichtigen Meilenstein im Prozess erreicht: Das Bundeskartellamt hat Weidmüller die Freigabe zur beabsichtigten Übernahme der R. Stahl erteilt.

Am Ende entscheiden die Stahl-Aktionäre und nicht das Kartellamt. Was wollen Sie eigentlich von der Firma?

Wir würden gerne gemeinsam wachsen.

Die Firma

Weidmüller Gruppe

  • Sitz: Detmold
  • Gegründet 1850 in der Nähe von Chemnitz als Textilfabrik durch Carl August Weidmüller
  • Umsatz: 640 Millionen Euro (2013)
  • Beschäftigte: 4600
  • Gesellschafter: Familie Gläsel

Das sehen einige Aktionäre offenbar immer noch anders, die Gegenwehr aus den Reihen der Familie Stahl ist ziemlich groß!

Weidmüller und R. Stahl sind, was die industrielle Logik anbetrifft, der ideale Fit. Wir sollten in unserer Branche eine Größe von mehr als einer Milliarde Euro Jahresumsatz erreichen. Unsere Produktportfolios für die Prozessindustrie ergänzen sich perfekt. Beide Unternehmen könnten damit konjunkturelle Schwankungen ausgleichen, denen beide momentan noch unterliegen. Und es passt einfach: Auf Ölplattformen oder in Chemiefabriken stecken unsere Produkte häufig im selben Gehäuse. Gemeinsam könnten wir künftig die Produkte aufeinander und auf Kundenwünsche ausrichten.

Gibt es keinen Konkurrenten, der Ihrem Angebot vielleicht freundlicher gesonnen wäre?

Wir sind der festen Überzeugung, dass R. Stahl der richtige Partner ist - aufgrund der industriellen Logik und weil R. Stahl ein Familienunternehmen ist, wie Weidmüller. Wir pflegen die gleichen Werte. Wir engagieren uns beide für die Gesellschaft, pflegen den gleichen Umgang mit Mitarbeitern. Es passt einfach alles ideal zu uns.

Es ist eine feindliche Übernahme. Gehen so Familienunternehmen miteinander um?

Wir haben allen Aktionären ein offenes und transparentes Angebot vorgelegt, das man annehmen oder ablehnen kann. Ich sehe nicht, was daran feindlich sein soll. Trotzdem ist es natürlich so, dass ein solches Angebot bei Familienunternehmen eher unkonventionell ist. Aber wir sprechen hier nicht mit einem Ansprechpartner, sondern mit einer Vielzahl von Aktionären und Familienmitgliedern. Daher haben wir uns für diesen Weg entschieden.

Sie sind aber auch der angestellte Manager eines Familienunternehmens. Sie sollten doch besser wissen, wie Familien ticken. Weidmüller steht ja auch nicht zum Verkauf, weil die Familie Gläsel daran hängt. Sie wissen doch, dass es nicht nur um die Sache, sondern um Emotionen geht!

Die kann ich auch verstehen. Aber Weidmüller ist ein privates Unternehmen und R. Stahl nicht. Ein börsennotiertes Familienunternehmen weiß doch, dass an der Börse andere Spielregeln gelten. Die Gründerfamilien haben sich doch bewusst für diesen Schritt entschieden. Das sage nicht nur ich, sondern die eigenen Aktionäre auf der Hauptversammlung von R. Stahl am 23. Mai in Waldenburg.

Und ich möchte Ihre Meinung hören!

Ich verstehe, dass Teile einer Familie, die Aktien an einer Firma hält, die früher ganz im Familienbesitz war, nicht willens sind zu verkaufen. Aber dieser Teil muss auch akzeptieren, dass es andere Aktionäre gibt, die verkaufen wollen - auch wenn sie zur Familie gehören. Niemand darf Aktionäre entmündigen. Was dazu kommt: Das Unternehmen R. Stahl ist langfristig zu klein, um im Wettbewerb zu bestehen. Sich dieser schlichten Tatsache zu verschließen, schadet dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern.

Noch einmal: Die wollen Sie nicht!

Wir sprechen über einzelne Familienaktionäre, die das kundgetan haben. Das verstehe und respektiere ich. Aber wir reden mit allen Aktionären. Und wir wollen uns inhaltlich auseinandersetzen: Wie begegnet R. Stahl langfristig den Wettbewerbern, die breiter und damit besser aufgestellt sind? Wie sichert sich R. Stahl gegen fallende Ölpreise ab, die die Prozessindustrie unter Druck bringen würde, wenn das Unternehmen sich nicht diversifizieren will? Wie lange kann R. Stahl sein teures Vertriebsnetz mit Tochtergesellschaften in 24 Ländern ohne Partner aufrechterhalten? Wie stark kann R. Stahl vor diesem Hintergrund weiter expandieren? Das sind alles Fragen, die wir gerne diskutieren würden. Nach den ersten Emotionen sollten wir jetzt über Inhalte sprechen.

Machen Sie es sich nicht zu einfach, wenn Sie denen in Waldenburg ständig Emotionen vorwerfen und mangelnde Sachlichkeit? Auch R. Stahl versteht etwas von Technik ...

... absolut und ich werfe auch niemandem etwas vor...

... denen scheint sich Ihre industrielle Logik nicht zu erschließen.

Einem Teil der Familie schon. Deshalb haben wir ja ein Angebot an alle Aktionäre gemacht. Es gibt auch nicht "die" Familie. Es gibt mehrere Stämme, institutionelle Anleger und Kleinaktionäre. Alle sollen über unser Angebot entscheiden, deshalb haben wir es ja so gemacht. Es hat ja auch schon im Vorfeld konstruktive Gespräche gegeben, sowohl mit Familienaktionären als auch mit dem Vorstand von R. Stahl. Wir gehen ja nicht in so etwas rein, ohne die Lage abzuklopfen.