Deutsche Telekom Ärger mit der Justiz

Verdächtiges Material, einfach mal beschlagnahmt: Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen acht Telekom-Manager - wegen des Verdachts auf Bestechung. Es geht um alte Geschäfte.

Von H. Leyendecker

Die Staatsanwaltschaft Bonn hat gegen acht Manager der Deutschen Telekom ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Bestechung oder der Beihilfe zur Bestechung eingeleitet. Darunter sollen sich auch einige Spitzenmanager befinden. Es gibt aber, derzeit zumindest, nur einen Anfangsverdacht. Anderthalb Tage lang durchsuchten in dieser Woche etwa70 Ermittler die Geschäftsräume des Dax-Konzerns und beschlagnahmten umfangreiches Material. Auslöser für die Aktion war ein Rechtshilfeersuchen der US-Börsenaufsicht SEC und des US-Justizministeriums.

Die Deutsche Telekom kommt nicht zur Ruhe - und hatte jetzt Besuch von Ermittlern.

(Foto: ddp)

Die Bonner Strafverfolger leiteten nach Auswertung der von den amerikanischen Behörden zur Verfügung gestellten Unterlagen in aller Stille ein eigenes Verfahren ein. Es geht um alte Geschäfte der Telekom-Tochter Magyar Telekom, die schon vor Jahren ins Visier internationaler Ermittlungsbehörden geraten ist. Im Jahresabschluss 2005 hatten Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse-Coopers verdächtige Zahlungen entdeckt und daraufhin den Ungarn das Testat versagt. Weil die Telekom in den USA notiert ist, hatten sich dann die SEC und das US-Justizministerium eingeschaltet und das Zahlenwerk untersucht.

Im Wesentlichen geht es um Beraterverträge für Töchter der Magyar Telekom in Mazedonien und Montenegro. In den Büchern hatte PWC keine ausreichende Gegenleistung für hohe Zahlungen erkennen können. Die Verträge sollen einen Umfang in nur einstelliger Millionenhöhe gehabt haben. In Konzernkreisen ist von sieben Millionen Euro die Rede. Mit dem Geld sollen angeblich Politiker und einflussreiche Regierungsbeamte geschmiert worden sein.

Die Beraterfirmen sollen das Geld, nach Abzug von Provisionen, weitergeleitet haben. Eine der Firmen hat ihren Sitz auf Zypern. Angeblich soll Schmiergeld geflossen sein, um bei der Regulierung des Marktes Vorteile zu haben. Offenbar um weiteres Material zu erhalten und gleichzeitig den Druck zu erhöhen, schalteten die amerikanischen Ermittler die Bonner Kollegen ein. Der Fall kann für die Deutsche Telekom noch unangenehm werden, weil nicht absehbar ist, ob und wenn ja wie tief deutsche Manager in die Affäre verstrickt sind. Im Umfeld des Konzerns heißt es, vor allem die Auslandstöchter in Südosteuropa seien in der Vergangenheit kaum kontrolliert worden. Bei Übernahmen sei meist ein Großteil des alten Spitzenmanagements, das gute Kontakte in die Politik gehabt habe, übernommen worden. Lokale Manager hätten die Märkte besser gekannt.

Manchmal muss der Deutschen Telekom aber unwohl geworden sein. In der Spitzelaffäre des Konzerns, die in diesen Tagen vor dem Bonner Landgericht aufgerollt wird, gab es früh Hinweise auf geheime Kontrollpraktiken des Unternehmens in Südosteuropa. So wurde in Ländern wie Ungarn, Kroatien, Mazedonien oder Slowenien das Privatleben etlicher Bewerber mit Hilfe von Personalscreenings durchleuchtet. In einem Bericht der "Konzernsicherheit" über eine Managerin eines kroatischen Telekomunternehmens wurde beispielsweise aufgelistet, welche Liebhaber sie angeblich hatte und welchen speziellen Umgang sie mit "älteren Männern" pflegte.

Über ihre Schwester fand sich der Eintrag, sie stehe in ihrem persönlichen Umfeld im Ruf, ein "weibliches Raubtier mit einem erheblich erhöhten Sexbedürfnis" zu sein. Was sich in den Akten allerdings nicht findet, sind Hinweise, wer was von wem für was in Südosteuropa bekommen hat.