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Bonner Konzern:Deutsche Post will Beamte loswerden

Achim Kampker, Geschäftsführer der Streetscooter GmbH, posiert in einem Elektrofahrzeug der Deutschen-Post-Tochter DHL.

Gilt als Zukunftsgeschäft, macht aber Verluste: der Konzernbereich der Streetscooter, der E-Lieferwagen der Post

(Foto: REUTERS)
  • Die Deutsche Post will sich von Mitarbeitern trennen: Um Beamte abzufinden, legt der Konzern 500 Millionen Euro zurück.
  • Das Geschäft der Post läuft schlecht, der Gewinn fällt deutlich geringer aus als gedacht. Das erschreckt die Investoren.
  • Auch der Konzernbereich des beliebten Streetscooters macht Verluste.

Von Benedikt Müller, Köln

Die Deutsche Post will in ihrem Stammgeschäft mit Briefen und Paketen am Personal sparen. Der Konzern kündigt ein Vorruhestandsprogramm für einige der etwa 30 000 Beamten an, die noch bei der Post arbeiten. Auf diese Weise sollen die Personalkosten um stattliche 200 Millionen Euro pro Jahr sinken. Für entsprechende Abfindungen stellt der Konzern nun einmalig 500 Millionen Euro zurück. Damit versucht die Post, sich von einigen ihrer teuersten Mitarbeiter zu trennen.

Der Konzern bezahlt seine Beschäftigten unterschiedlich. Viele Angestellte erhalten bereits niedrigere Gehälter als die verbliebenen Beamten. Noch mal weniger Geld zahlt die Post neu eingestellten Paketboten, die sie seit drei Jahren nur noch bei der Gesellschaft DHL Delivery beschäftigt. Allerdings hat die Gewerkschaft Verdi im April höhere Löhne für die 130 000 Tarifbeschäftigten in Deutschland ausgehandelt.

Zwar profitiert die Post davon, dass immer mehr Pakete verschickt werden. Gleichzeitig leidet sie darunter, dass Unternehmen und Privatleute von Jahr zu Jahr weniger Briefe versenden. Der Konzern zahlt jedoch fixe Kosten für seine Briefzentren und die Zusteller, die zumindest in den Städten getrennt von den Paketboten unterwegs sind.

Die Post hofft nun, dass sie demnächst höhere Preise für Briefe und Pakete durchsetzen kann. Zum Jahresende läuft eine Vorgabe der Bundesnetzagentur aus, die das Porto für einen Standardbrief auf 70 Cent begrenzt. Die Post will nun abwarten, welchen Preisrahmen die Regulierungsbehörde für das nächste Jahr vorgeben wird. Der Konzern erwägt zudem höhere Paketpreise: "Auch in einem wettbewerbsintensiven Markt machen allgemeine Kostensteigerungen preisliche Anpassungen erforderlich", heißt es in der Mitteilung. Bereits vor drei Wochen hat die Post angekündigt, dass auch das Porto für Bücher- und Warensendungen im Juli steigen wird.

Die Aktie stürzte um mehr als sieben Prozent ab

Der Konzern erwartet, dass sein Gewinn in diesem Jahr sinken wird. Er prognostiziert noch einen Betriebsgewinn von 3,2 Milliarden Euro. Ursprünglich hatte die Post fast 4,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Von diesem Betriebsgewinn gehen dann noch Zinsen und Steuern ab.

Die Gewinnwarnung hat am Freitag Anleger geschockt: Die Post-Aktie verlor zeitweise um mehr als sieben Prozent an Wert. Das Stammgeschäft mit Briefen und Paketen trägt noch etwa ein Drittel zum Gewinn der Post bei. Das restliche Geld verdient der Konzern mit dem weltweiten Fracht- und Kuriergeschäft seiner Marke DHL.

Die Post gibt zu: Wir haben zu wenig ins Stammgeschäft investiert

Die Post räumt in ihrer Pflichtmitteilung zudem ein, dass sie in den vergangenen Jahren zu wenig Geld in die Weiterentwicklung ihres Stammgeschäftes investiert habe. "Wir nehmen jetzt bewusst kurzfristige negative Ergebniseffekte in Kauf, um langfristig nachhaltiges Wachstum zu sichern", sagt Vorstandschef Frank Appel. So will der Konzern nun zusätzlich 100 bis 150 Millionen Euro jährlich ausgeben, um die Automatisierung und Digitalisierung seines Brief- und Paketgeschäfts voranzutreiben.

Vor gut zwei Monaten hat die Post ihren langjährigen Brief- und Paketchef Jürgen Gerdes von diesem Vorstandsressort abberufen. Seitdem ist er zuständig für die konzerneigenen Start-ups. Dazu zählt vor allem der Elektro-Transporter Streetscooter, den die Post tausendfach für den Eigenbedarf und für Drittkunden herstellt. Doch steht die Post auch hier vor einer finanziellen Herausforderung: Das Bonner Unternehmen erwartet, dass der Konzernbereich "Corporate Incubations" in diesem Jahr einen Verlust von 70 Millionen Euro erwirtschaften wird.

© SZ.de/bbr
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