Vorstände Goldene Fallschirme für scheidende Deutsche-Bank-Manager

Die Deutsche Bank war einst die größte Bank der Welt. Heute hat das Institut viele Probleme, die mit einem radikalen Umbau gelöst werden sollen.

(Foto: REUTERS)
  • Die drei ausscheidenden Vorstände Strauß, Matherat und Ritchie bekommen Abfindungen in höhe von sechs, neun und elf Millionen Euro.
  • "Goldene Fallschirme für die erfolglosen Manager und Jobverluste für Tausende von Mitarbeitern - da passt etwas nicht zusammen", sagt ein Kritiker.
Von Jan Willmroth, Frankfurt

Für drei prominente Angestellte der Deutschen Bank hat sich der Umbauplan des Instituts schon gelohnt. Investmentbanking-Vorstand Garth Ritchie, der die Bank zum Ende des Monats verlässt, erhält noch gut elf Millionen Euro. Regulierungsvorstand Sylvie Matherat, die ebenfalls Ende Juli ausscheidet, kann mit neun Millionen Euro rechnen. Frank Strauß, der scheidende Chef des stark vom Umbau betroffenen Privat- und Firmenkundengeschäfts, erhält noch etwa sechs Millionen Euro. Eine noch nicht beschlossene Extra-Abfindung für seinen Posten als Chef der Privatkunden-Tochtergesellschaft kommt noch hinzu.

In allen drei Fällen setzen sich die Zahlen aus einer Abfindung und einer Karenzentschädigung zusammen. Letztere soll die Manager dafür entschädigen, dass sie je nach Vertrag ein bis zwei Jahre nicht zur Konkurrenz wechseln dürfen. Insgesamt hat die Bank in den vergangenen 14 Monaten mehr als 52 Millionen Euro für Top-Manager ausgegeben, die das Haus verließen. Allein Ex-Bankchef John Cryan erhielt nach seinem plötzlichen Abgang im April 2018 noch 10,9 Millionen Euro.

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Die ausstehenden Zahlungen ergeben sich aus den Vergütungsregeln im Geschäftsbericht der Bank. Aus Politik und Gesellschaft kam prompt Kritik: "Goldene Fallschirme für die erfolglosen Manager und Jobverluste für Tausende von Mitarbeitern - da passt etwas nicht zusammen", sagte Gerhard Schick, Gründer der Bürgerbewegung Finanzwende. Die Financial Times zitierte den FDP-Bundestagsabgeordneten Otto Fricke: Er begrüße Sewings Schwenk hin zum traditionellen Erbe als Unternehmensbank. "Ich bezweifle allerdings, dass Abfindungspakete in zweistelliger Millionenhöhe in dieser Tradition stehen." Die Bank nahm zu den Zahlen nicht Stellung.

Weniger Anlass zur Kritik denn zur Sorge bot die Reaktion am Kapitalmarkt auf Sewings Radikalkur. Als der Konzernchef am Montagmorgen Journalisten seinen Sanierungsplan erklärte, drehte die Aktie der Bank erst leicht ins Minus und sackte dann immer weiter ab. Niemand, betont Sewing immer wieder, sei enttäuschter über den Aktienkurs als er selbst. Bis zum Börsenschluss am Montag vergrößerte sich das Minus auf 5,39 Prozent. Tags darauf verlor das Papier weitere 4,2 Prozent, erst am Mittwoch stabilisierte sich die Lage.

Fürs Erste überwiegt also die Skepsis am Kapitalmarkt, nachdem der Konzern das ambitionierteste Umbauprogramm seit Jahrzehnten angekündigt hat. Von "hohen Ausführungsrisiken" ist mindestens die Rede in Analystenberichten. Den Rückzug aus dem Aktienhandel, den massiven Stellenabbau und den Umbau im Vorstand sehen die meisten positiv, bleiben beim Gesamtpaket aber zurückhaltend. Angesichts der Historie wirken die Ziele der Bank aber ambitioniert: Die Kosten sollen bis 2022 um fünf Milliarden Euro sinken, zugleich sollen die Erträge um zwei Milliarden Euro steigen. Dabei hat das Institut seit Jahren nahezu alle Kosten- und Ertragsziele verfehlt.

Die chronisch skeptischen Analysten der Citibank halten es für "hochgradig unwahrscheinlich", dass die Deutsche Bank die neuen Ziele erreicht, zumal das Institut auf dem Weg dahin mutmaßlich Erträge einbüßen werde. Auch die Ratingagentur Scope fällt ein vernichtendes Urteil: "Selbst wenn man annimmt, dass alles läuft wie geplant, bleibt die Tatsache, dass die meisten großen europäischen Banken mit ihren Umbauten Jahre voraus sind." Und Scope-Konkurrent Fitch betont die äußeren Umstände: "Der wirtschaftliche Abschwung könnte das Ertragswachstum ebenso beeinträchtigen."

Konzernchef Sewing gibt sich indes überzeugt: Er kündigte an, etwa ein Viertel seines Grundgehalts von 3,4 Millionen Euro in Deutsche-Bank-Aktien investieren zu wollen.

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