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Deutsche Bank und Kirch:Moralischer Ruin

Deutsche Bank

Der Vergleich mit den Kirch-Erben ist ein moralisches Schuldeingeständnis für die Deutsche Bank - und sollte auch so behandelt werden.

(Foto: Bloomberg)

Fast eine Milliarde Euro zahlt die Deutsche Bank den Erben von Leo Kirch. Schon viel zu lange hat sie weiterprozessiert. Jetzt sollte eine ausdrückliche Entschuldigung folgen, als erster Schritt zum Wiederaufbau der Reputation.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen; das lernen jetzt die Herren an der Spitze der Deutschen Bank. Der Schaden hat acht Nullen, und es wäre beinahe eine neunte dazugekommen. Mehr als 900 Millionen Euro zahlt die größte deutsche Bank an die Erben des Unternehmers Leo Kirch - um endlich Ruhe zu haben in einer Fehde, die seit zwölf Jahren tobt. Der Spott ist mit Händen zu greifen: Bis weit in Wirtschaftskreise hinein glauben die Menschen, dass es der Bank gerade recht geschieht so.

Im Februar 2002 hatte der damalige Vorstandschef Rolf Breuer im heute vielleicht bekanntesten Interview eines deutschen Managers über das strauchelnde TV-Imperium Kirchs schwadroniert. Kirch war, und das ist der zentrale Punkt, ein Kunde der Deutschen Bank - sie hatte ihm Kredit gegeben, sie kannte seine Zahlen.

Eine große Niederträchtigkeit mit kriminellen Zügen

Zwei Monate später musste dessen Mediengruppe Insolvenz anmelden. Das war eine persönliche Tragik im Leben des Unternehmers Leo Kirch, für die er bis zu seinem Tod stets die Bank und Breuer haftbar machte. Breuer hatte damals nicht nur eine eherne Regel anständiger Banker verletzt, dass man nämlich über seine Kunden gar nicht redet, und schon gar nicht schlecht.

Darüber hinaus entwickelten seine Leute zugleich Pläne, wie sie die strauchelnde Mediengruppe aufspalten und deren werthaltige Teile verkaufen könnten, zum Vorteil der Bank: Diese Parallelität, die erst später herauskam, war nicht nur eine große Niederträchtigkeit, sondern bekam jenseits dieser moralischen Kategorie nach Ansicht mancher Juristen im Verlaufe der Kirch-Prozesse auch noch kriminelle Züge. Spitzenleute der Bank gerieten in Verdacht, sie hätten die Justiz täuschen wollen, um diese Zusammenhänge zu verbergen.

Dies alles zusammen hat die Deutsche Bank in eine Gemengelage gebracht, in der sie nur noch verlieren konnte. Ihr Ruf ist ruiniert, die Auftritte des aktuelle Co-Chefs Jürgen Fitschen und früherer Bosse bei der Staatsanwaltschaft waren Spießrutenläufe, die Arbeitskraft vieler Mitarbeiter gilt immer noch voll der Schadenbegrenzung. Das geht schon seit Jahren so, und dennoch hat die Bank, von ehrgeizigen und halsstarrigen Juristen offenbar falsch beraten, immer weitergemacht, weiterprozessiert, -argumentiert, -konspiriert.

Es sollte eine ausdrückliche Entschuldigung folgen

Es bedurfte einer neuen, in der Sache unbelasteten Führung, um diesen Knoten zu durchschlagen. Endlich, kann man nur sagen und den Vergleich mit Kirch loben - auch wenn der Spott mitschwingt, dass man dieses Ergebnis schon vor Jahren hätte haben können. Damals zuckte der Vorstand noch zurück - weil Anwaltsgutachten vor Risiken warnten, dass Aktionäre den Vorstand verklagen könnten. Anwälte, immer wieder Anwälte: Viel zu lange haben hoch bezahlte und sonst extrem selbstbewusste Manager sich den Juristen und deren Argumenten ausgeliefert. Nun endlich haben sie das Heft des unternehmerischen Handelns zurückgewonnen und einfach entschieden: Schluss jetzt. So weit das Juristische.

Wo aber bleibt die Moral? Dieser Vergleich ist ein moralisches Schuldanerkenntnis, und sollte auch so benannt werden. Es sollte die ausdrückliche Entschuldigung der heutigen Chefs folgen an die Adresse jenes Mannes, der über allen Verzögerungstaktiken verstarb. Das wäre ein erster Schritt zur Verbesserung der Reputation. Denn mit oder ohne Vergleich: Das Image dieser einst angesehenen, einflussreichen Bank ist am Boden.

Man braucht eine gute Reputation vielleicht nicht, wenn man an den Finanzmärkten ein schnelles Rad drehen will. Aber man braucht sie, wenn man mit normalen Menschen, mit Privatkunden und Unternehmern, Geschäfte machen will - und nur diese Geschäfte sind nachhaltig.