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Konzernumbau:Deutsche Bank will neue Sparte für Großkunden schaffen

Jetzt folgen mehrere Schritte zurück, der Stellenabbau ist nur einer davon. Die Pläne sehen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vor, die Investmentbank in ihrer derzeitigen Form zu filetieren. Dazu will die Bank internen Unterlagen zufolge eine neue, mächtige Konzernsparte für Firmenkunden schaffen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Internen Unterlagen zufolge soll der Bereich "Corporate Bank" (auf Deutsch "Unternehmensbank") heißen. In der neuen Sparte soll die Betreuung großer Firmen- und Konzernkunden mit der sogenannten Transaktionsbank gebündelt werden, in der die Bank Dienstleistungen wie Handelsfinanzierung oder Zahlungsverkehr für Großkunden anbietet. Sewing hatte die Transaktionsbank zu einem der strategisch wichtigsten Bereiche erklärt. Der Aufsichtsrat soll am Wochenende über das Vorhaben beraten, für das Sewing offenbar bereit ist, einen Verlust im Geschäftsjahr 2019 zu akzeptieren. Ein Sprecher der Bank lehnte einen Kommentar ab.

Ohnehin hält sich die Bank zu den Plänen bedeckt und verliert auf offiziellem Weg kein Wort darüber, was sich Sewing und seine Mannschaft vornehmen. Man werde Kunden, Mitarbeiter, Aktionäre und die Öffentlichkeit "sobald wie möglich" über die Ergebnisse informieren; das ist der Standardsatz. Dabei hatte sich schon länger angedeutet, dass die Bank ihren zwanzigjährigen Ausflug an die Wall Street zumindest in seiner bisherigen Gestalt beenden wird. Am Rande der Hauptversammlung, an einem Donnerstag im Mai, hieß es bereits, das werde der "größte Umbau seit Bankers Trust", um den Anschein zu wahren, das Management hole zu einem großen Befreiungsschlag aus.

In Wahrheit ist die Not groß. Der Verlauf des Aktienkurses spiegelt den Hergang der Misere, knapp unter sieben Euro kostet ein Anteilsschein derzeit, sehr nah am Rekordtief und sehr weit entfernt von den Höchstständen um die 100 Euro vor der Finanzkrise. Die einst größte Bank der Welt trägt unprofitable Geschäfte als Ballast mit sich herum und hat zu lange an einem Geschäftsmodell festgehalten, das nicht mehr funktioniert. Die großen amerikanischen Banken sind davongezogen, sie machen teilweise mehr Gewinn, als die Deutsche Bank insgesamt an Einnahmen erzielt. Die war dafür jahrelang damit beschäftigt, für Bußgelder und Rechtsstreitigkeiten Milliarden auszugeben. Alle paar Jahre bat sie ihre Aktionäre seit der Krise um frisches Kapital - und stets um Geduld: Man habe kein Strategie-, sondern ein "Umsetzungsproblem".

Seit 2010 wurden mehr als 23 Milliarden Euro an Boni gezahlt

Aber die Personalrochaden und wiederholte Anpassungen der Strategie in den vergangenen Jahren änderten nichts daran, dass die Investmentbanker ihre Bank weiter ausnahmen. Allein seit 2010 summieren sich die Bonuszahlungen auf mehr als 23 Milliarden Euro. Kaum zu überprüfende Schätzungen gehen von 100 Milliarden Euro seit dem Jahr 2000 aus. Die Gegenrechnung ist ernüchternd: Im gleichen Zeitraum erhielten die Aktionäre weniger als 15 Milliarden Euro an Dividenden, und die Bank gab an die 20 Milliarden für Strafen und Vergleiche aus. Um die besten Köpfe zu halten, seien hohe Gehälter und üppige Belohnungen wichtig, heißt es fast überall in der Finanzindustrie. Aber zu welchem Preis? Die Investmentbank steuerte im vergangenen Jahr noch mehr als die Hälfte der Einnahmen des Konzerns bei, machte unter dem Strich aber Verlust. Ohne den Beitrag der Fondsgesellschaft DWS hätte die Bank wahrscheinlich Verluste geschrieben, zum vierten Mal in Folge.

Man wird keine Ballons aufsteigen sehen, wenn sich an diesem Wochenende die nähere Zukunft der Bank entscheidet. Es wird, frei nach Breuer, abermals eine neue Deutsche Bank geben. Sie wird sehr viel kleiner sein, sie wird viel Geld bezahlen für Abfindungen und die Abwicklung von Geschäften. Im Untertitel zur neuen Sparte steht nichts mehr von global: Die Corporate Bank soll die "führende in Europa basierte Transaktions- und Unternehmensbank" sein. Was Breuer einst gebaut hat, wird zertrümmert.

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