Deutsche Bank:Geschäft läuft gut

FILE PHOTO: FILE PHOTO: Germany's Deutsche Bank headquarters are pictured in Frankfurt

Die Profite haben sich stabilisiert, aber die Deutsche Bank hat auch eine wachsende Zahl von juristischen Problemen.

(Foto: Ralph Orlowski/Reuters)

Das Institut schafft den vierten Quartalsgewinn in Folge und überrascht die Börse - kassiert aber sein Kostenziel ein.

Von Jan Diesteldorf, Frankfurt

Die Deutsche Bank hat ihr Kostenziel für das Jahr 2022 und damit einen wichtigen Teil der Konzernstrategie verworfen. Das erklärte Finanzchef James von Moltke am Mittwoch in Frankfurt bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen. Statt auf eine absolute Zahl werde man sich nur noch auf die Aufwands-Ertrags-Relation, also die Kostenquote, fokussieren. Sie soll von derzeit 80 Prozent bis 2022 auf 70 Prozent sinken. Erst Ende 2020 hatte die Bank ihr Kostenziel gelockert, weil die ursprünglich ausgegebene Marke nicht mehr erreichbar schien.

Der Sparzwang bei Deutschlands größtem Geldhaus ist angesichts der robusten Gewinne offenbar auch nicht mehr so dringend. Für das zweite Quartal vermeldete die Bank einen Nettogewinn von 692 Millionen Euro und übertraf damit deutlich die Erwartungen von Analysten. Alle vier Sparten entwickelten sich wie erwartet oder sogar besser, sagte von Moltke. Es war der vierte Quartalsgewinn infolge und das beste vierte Quartal seit 2015. Das Ertragsziel für das kommende Jahr hob die Bank an. Nach einem anfänglichem Gewinn von bis zu 4,5 Prozent lag die Aktie der Deutschen Bank zuletzt gut ein Prozent im Minus.

Im Investmentbanking, das 2020 von einer außergewöhnlich hohen Nachfrage nach Kapitalmarktprodukten profitiert hatte, sanken die Erträge von April bis Juni um elf Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Im Kerngeschäft mit Anleihen und Währungen stand die Deutsche Bank mit einem Minus von ebenfalls elf Prozent besser da als die Konkurrenten von der Wall Street.

Konzernchef Christian Sewing versucht, das Institut seit zwei Jahren mit einer neuen Strategie wieder in die Spur zu bringen. Teil des Plans waren neben dem neuen Zuschnitt der Konzernsparten massive Einsparungen mitsamt dem Abbau von 18 000 Jobs. Die Erträge in der Unternehmensbank, welche Sewing anfangs als Herzstück der neuen Strategie bezeichnet hatte, sanken im zweiten Quartal um weitere acht Prozent. Dennoch sieht sich die Bank insgesamt auf Kurs. Die Anstrengungen zur Restrukturierung seien "weit fortgeschritten", sagte von Moltke. Er verteidigte die Entscheidung, künftig kein absolutes Kostenziel mehr zu nennen. Dies sei schon länger geplant gewesen.

Während sich die Profite stabilisiert haben, sieht sich das Institut mit einer wachsenden Zahl von Rechtsstreitigkeiten und regulatorischen Problemen konfrontiert: etwa drohende Sanktionen der US-Notenbank Fed, Vorwürfe des Fehlverkaufs von Devisenderivaten in Spanien, das erweiterte Mandat des Geldwäschebeauftragten der Bafin bei der Bank und eine neue Klage in den USA, der zufolge die Bank an einem Schneeballsystem beteiligt gewesen sei. Zu Letzterem sagte von Moltke, man halte die Vorwürfe für unbegründet.

© SZ vom 29.07.2021
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