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Deutsche Bank:Wer wird Millionär?

Deutsche Bank

Bei der Deutschen Bank haben sich der Vorstand, aber allen voran die gut 4200 Investmentbanker, wieder eine auskömmliche Vergütung gegönnt.

(Foto: Boris Roessler/picture alliance/dpa)

Kaum macht die Deutsche Bank wieder einen kleinen Gewinn, zahlt sie ihren Investmentbankern wieder höhere Boni. Das sorgt inzwischen für Unmut in der Belegschaft.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Mit so einem Verzicht kann wohl jeder gut leben: Vergangenen Mai, als noch unklar war, wie sich die Pandemie entwickeln würde, preschte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing mit einem generösen Vorschlag vor. Der Vorstand und freiwillig auch eine Ebene darunter würden einem Monatsgehalt entsagen. Das entspringe einem "unternehmerischen Geist" und unterstreiche die Disziplin, mit der die Bank geführt werde. Das klang sehr schön. Damals.

Fast ein Jahr später ist es schon wieder vorbei mit Disziplin und unternehmerischem Geist bei der Deutschen Bank. Wie am Freitag aus dem Geschäftsbericht hervorging, haben sich der Vorstand, aber allen voran die gut 4200 Investmentbanker auch 2020 wieder eine auskömmliche Vergütung gegönnt: So verdienten im vergangenen Jahr 684 Mitarbeiter mehr als eine Million Euro, das waren 65 mehr als im Vorjahr und weit mehr als bei jedem anderen Dax-Konzern. Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter unterhalb des Vorstands kassierte gar zwischen zehn und elf Millionen Euro. Auch der Vorstand verdiente mehr: Sewings Gesamtvergütung legte 2020 um fast die Hälfte auf 7,4 Millionen Euro zu.

Insgesamt stieg der Bonus trotz eines Abbaus von ein paar 1000 Stellen um 29 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, was ein höherer Anstieg ist, als bei einigen anderen Banken. Rechnet man Haltprämien und Einstellungsprämien hinzu, kommt man sogar auf 2,14 Milliarden Euro Bonus, die Gesamtvergütung stagnierte bei zehn Milliarden Euro. Dies trage "einerseits den deutlich besseren Finanzergebnissen und den erreichten Zielen Rechnung, andererseits dem Bestreben, Leistungsträger zu halten", teilte die Bank mit und verwies auf einen Nettogewinn von mehr als 600 Millionen Euro.

Unter dem Strich aber sah es - eben auch wegen der hohen Personalkosten - längst nicht so blendend aus: Abzüglich der Zinszahlungen für Kapitalinstrumente blieb dem Konzern 2020 ein Überschuss von 113 Millionen Euro, was einer Eigenkapitalrendite von 0,2 Prozent entspricht. Das Investmentbanking war zudem auch nur deshalb halbwegs profitabel, weil die Bank seit 2019 Verluste aus dem Handelsgeschäft in eine interne Bad Bank verschoben hat. Zudem verdankt die Bank einen Großteil der Gewinne im Handelsgeschäft den Zentralbanken, welche die Märkte in der Corona-Krise mit Liquidität geflutet haben, während die Bundesregierung Kreditkunden wie Tui oder Lufthansa gerettet hat.

"Die Bank läuft Gefahr, die soziale Balance zu verlieren."

Andreas Enria, oberster EZB-Bankenaufseher, hatte sich zwar eine sehr zurückhaltende Bonus-Politik gewünscht, war damit bei der Deutschen Bank aber offenbar kaum durchgedrungen: Nutznießer waren die 4200 Mitarbeiter im Investmentbanking, welche die Hälfte des Bonus-Pools bekamen. Pro Kopf erhielten die Mitarbeiter dort ungefähr 230 000 Euro Bonus, was ungefähr doppelt so viel war wie im Vorjahr, wenn man die Zahl um bestimmte Effekte bereinigt. Eigentlich wollte Sewing die Bank unabhängiger machen vom schwankungsanfälligen Handelsgeschäft. Zuletzt hatte er betont, das Investmentbanking zumindest nicht mit zusätzlichen Ressourcen auszustatten, wovon mit Blick auf die Boni allerdings keine Rede sein kann. Zwar wird die Hälfte der variablen Vergütung für 2020 erst in den kommenden Jahren ausgezahlt. Allerdings kommt es bei der Bank selten vor, dass Boni dauerhaft einbehalten werden.

Die Vergütungspolitik sorgt inzwischen für Unmut. "Die Bank läuft Gefahr, die soziale Balance zu verlieren", sagt Jan Duscheck, Fachgruppenleiter Bankgewerbe von Verdi. So sei die Bank nicht bereit, etwa für die Beschäftigten der Tochter DB Direkt, die eher zu den Geringverdienern gehören, über angemessene Tariferhöhungen zu sprechen. Auch Vanda Rothacker von der Fondsgesellschaft Union Investment, die an der Bank beteiligt ist, sieht die Boni sehr kritisch: "Der Gewinn sollte annähernd zu gleichen Teilen an Mitarbeiter, Aktionäre und in die Gewinnrücklagen des Unternehmens fließen". Das Missverhältnis von Boni und Dividenden sei eklatant.

© SZ
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