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Deutsche Bahn:Signal auf Rot

Zugbildungsanlage im Stadtteil Vorhalle, Rangierbahnhof, Güterzüge, Hagen, Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Rangierbahnhof in Hagen: Die Deutsche Bahn hatte schon vor der Corona-Krise Probleme mit ihrer Cargo-Tochter.

(Foto: Stefan Ziese/Image-Broker)

Der Staatskonzern rechnet dieses Jahr mit einem kleineren Gewinn - es könnte aber noch schlimmer kommen.

Bislang wurde die Bahn vom Coronavirus nur durch Fehlalarme ausgebremst. Am Sonntag und Montag standen zwei ICE in Stuttgart Zeit still. Am Freitag einer in Braunschweig. Doch die Patienten hatten nur vergleichsweise harmlose Erkrankungen. Nach Entwarnung durch Behörden fuhren die Züge weiter. In der Bahn-Zentrale setzt sich derzeit allerdings die Erkenntnis durch, dass das nur der Anfang war und das Virus bei der Bahn deutliche Spuren hinterlassen dürfte - jedenfalls in der Bilanz. Für die erwartet die Konzernspitze in diesem Jahr Belastungen.

Die Zeiten sind für die Bahn ohnehin schwierig. Das Unternehmen muss derzeit so viel Geld wie selten zuvor in neue Züge und die Erneuerung des in die Jahre gekommenen Netzes stecken. Das Ziel: den politisch gewollten Ausbau des klimafreundlichen Bahnverkehrs zu bewältigen. Schon vor einigen Monaten hatte der Bahnvorstand mit dem Segen der Bundesregierung die Parole ausgegeben, dass der Ausbau der Kapazitäten wichtiger sei als der Gewinn. Nun wird klar, was das in Zahlen bedeutet. Für 2020 rechnet die Bahn nur noch mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,3 Milliarden Euro. Vor allem, weil die Probleme mit der Gütertochter DB Cargo sich so schnell nicht lösen lassen. Die Corona-Folgen seien da noch gar nicht eingerechnet. In den Geschäftsjahren 2017 und 2018 hatte der Gewinn noch deutlich über zwei Milliarden Euro gelegen - bei weniger Fahrgästen.

Wegen der Absage von Großveranstaltungen buchen weniger Menschen Tickets

Schon jetzt ist abzusehen, dass die Folgen des Virus das Ergebnis noch weiter drücken könnten. Denn wegen der Absage von Großveranstaltungen buchen weniger Menschen Bahntickets. Zudem ist das Geschäft der Logistik-Tochter Schenker besonders von China und einem florierenden grenzüberschreitenden Container-Verkehr abhängig. In China aber ist die Wirtschaftsleistung bereits eingebrochen. Und der internationale Warenverkehr gerät vielerorts ins Stocken. Möglicherweise müsse der Konzern auch die reduzierte Erwartung noch mal nach unten korrigieren, heißt es bei der Bahn. Auch in den kommenden Jahren werde der Gewinn nur leicht zulegen und damit deutlich hinter den bisherigen Erwartungen bleiben. Für Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist das wohl keine Überraschung mehr. Die Korrekturen seien mit der Bundesregierung abgesprochen, verlautet aus Kreisen des Aufsichtsrats. Die Hängepartie um den Verkauf oder Börsengang der internationalen Bahn-Nahverkehrstochter Arriva zieht sich wegen der Kurskorrektur an den Börsen wohl weiter hin. Im Februar hatte der Aufsichtsrat bereits signalisiert, dass eine Trennung im ersten Halbjahr eher nicht komme. Aus Kreisen des Kontrollgremiums heißt es nun, dass der Verkauf wegen der Turbulenzen auch im zweiten Halbjahr unwahrscheinlich sei.

© SZ vom 11.03.2020

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