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Das Geschäft mit der Formel 1:Aktionäre kassieren, so soll es weitergehen

Die Verträge mit den Strecken laufen meist viele Jahre. Die Formel 1 trägt laut Investorenreport keinerlei Risiko, falls bei einer Wirtschaftskrise weniger Zuschauer kämen und die Ticketerlöse zurückgingen. Die "Promotion Fees" seien festgeschrieben. Der Report schildert in aller Offenheit, wie Ecclestone die Rennstrecken gegeneinander ausspielt. Falls einer der Betreiber nicht mehr mitmachen wolle, weil ihm das Spektakel zu teuer werde - kein Problem. "Da ist immer irgendein anderer Interessent", heißt es in dem Papier.

Bernie Ecclestone

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone kümmert sich um die Geschäfte und sorgt dafür, dass Investoren immer gewinnen.

(Foto: dpa)

Kein Zufall: Als die westlichen Industriestaaten 2008/2009 von der Bankenkrise heimgesucht wurden und in die Rezession gerieten, stieg das durch seine Erdölvorräte reich gewordene Abu Dhabi am Persischen Golf als neuer Austragungsort ein. Und Ecclestone habe längst die nächsten Zukunftsmärkte im Blick. Russland mit einem Rennen in Sotschi im Jahr 2014, Südafrika 2015 - und erst recht China. Auch auf Brasilien und Indien setze der Impresario. Und auf die USA. Das werde verhindern, dass die Formel 1 unter der "europäischen Schuldenkrise" leide.

Staaten zahlen, Aktionäre kassieren, so soll es weitergehen. Mit noch mehr Rennen, bei denen die Boliden mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 300 km/h über die Strecken rasen. Noch mehr Spektakel, das ist die Zauberformel der Formel 1. Vor knapp einem Jahrzehnt fanden nur 16 Rennen statt, heute sind es bereits 20, weitere sollen hinzukommen. Und bei den "Promotion Fees" seien laut Investoren-Report bis zu 60 Millionen Dollar drin, die ein Streckenbetreiber für ein einziges Wochenende zahle, an dem Vettel & Co. bei ihm ein Gastspiel geben - begleitet von attraktiven Damen.

Aktionäre auf der Gewinnerseite

Zusätzliche Rennen, das bedeutet zusätzliche Kosten für Ferrari, Red Bull, McLaren, Force India, Lotus, Sauber, Toro Rosso und Williams, die sich bis 2020 an die Formel 1 gebunden haben. Mercedes verhandelt noch. Voraussichtlich 63 Prozent, also fast zwei Drittel der Erlöse, werden laut Investorenreport künftig an die Teams fließen, so viel wie nie zuvor.

CVC Capital Partners, Hauptaktionär der Formel 1, will sich zu dem Investorenreport der asiatischen Großbank nicht äußern. Auch nicht dazu, dass der Rennzirkus und seine Betreiber über die "Promotion Fees" von Steuergeld profitieren.

Es bleibt also lukrativ. Gefährlich werden könnten Ecclestone nur die Münchner Staatsanwälte, die wegen eines mutmaßlichen Schmiergeldgeschäfts ermitteln, das der Brite abstreitet. Zufall oder nicht: Der in Singapur vorgesehene Börsengang der Formel 1 wurde ausgerechnet abgesagt, als die Münchner Justiz immer mehr den Eindruck gewann, der Renn-Chef habe vor Jahren einen damaligen Spitzenbanker bestochen. Für die Großaktionäre der Formel 1 bedeutet das, dass sie ihre Anteile einstweilen nicht versilbern können. Aber das muss Ecclestone und seine Partner nicht weiter stören. Ihnen bleiben ja die Profite. Die Aktionäre gewinnen immer.

© SZ vom 09.07.2012/infu
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