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Daimler AG: Politur für den Stern

Produktion Mercedes-Benz A-Klasse

Im Werk Rastatt produziert Daimler die A-Klasse.

(Foto: dpa)

Der Autobauer will noch nachhaltiger produzieren. Wegen des US-Zollstreit leidet trotzdem der Aktienkurs.

Eine Woche dauert es noch, dann übernimmt Ola Källenius bei der Daimler AG den Vorstandsvorsitz von Dieter Zetsche. Eine Ansage ist dem Schweden so wichtig, dass er sie nicht bis zur Hauptversammlung am 22. Mai für sich behalten will. Damit die Botschaft beim Aktionärstreffen wegen der Stabübergabe nicht untergeht, verkündet Källenius am Montag im Entwicklungszentrum Sindelfingen ein neues Programm: "Ambition 2039" heißt es, mit ihm will der Stuttgarter Autohersteller den Klimaschutz in den Blick nehmen, mehr denn je.

Bis Ende 2022 sollen alle Werke in Europa CO2-neutral produzieren. Und bis 2039 soll auch die Flotte der verkauften Pkw keinen CO₂-Fußabdruck mehr hinterlassen. Es ist eine Beschleunigung des deutschen Industrie-Tankers in Richtung Nachhaltigkeit, und in mancher Frage sogar ein Umsteuern: Bei Vergabe von Liefer-Aufträgen soll künftig die CO₂-Bilanz ein wichtiges Kriterium sein - was es bislang nicht war. Auch die Vorstandsvergütung werde an die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen gekoppelt, kündigt Källenius an. "Wir alle müssen unsere Komfortzone verlassen, um auf neuen Wegen voranzukommen."

Mit den neuen Zielen reagiert Daimler auch auf neue Regeln der Europäischen Union; ihnen zufolge müssen Autohersteller bis 2030 bei Neuwagen den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid gegenüber 2020 um weitere 37,5 Prozent senken.

Auch deshalb will Källenius künftig noch mehr Elektro-Modelle verkaufen: "Die Hauptstraße der nächsten zehn Jahre ist Batterie und Plugin-Hybrid." Bis 2030 sollen mehr als die Hälfte aller verkauften Pkw elektrisch betrieben sein. Dabei lässt er allerdings - im Gegensatz zu anderen Herstellern - offen, wann er den letzten Verbrenner-Motor bauen lässt und welche Technologie langfristig die erfolgreichste sein wird; Batterie oder alternative Kraftstoffe oder Brennstoffzelle, alles sei möglich. "Was immer es ist, wir werden da sein", spricht sich Källenius für größtmögliche Technologie-Offenheit aus.

Keine konkrete Aussage machte Källenius zur Reuters-Meldung, wonach BAIC ein größeres Aktienpaket an Daimler erwerben will. Der chinesische Autobauer habe Daimler Anfang 2019 informiert, er wolle sich mit vier bis fünf Prozent beteiligen, berichtete die Nachrichten-Agentur. Källenius: "Wir haben immer gesagt, dass wir neue langfristige Aktionäre begrüßen, die unsere Strategien unterstützen und an die guten Aussichten unseres Unternehmens glauben." Dem Aktienkurs halfen die Aussichten auf einen neuen Investor nicht; Wegen des Zollstreits zwischen den USA und China gab das Daimler-Papier am Montag zwischenzeitlich um mehr als sechs Prozent nach. Im Monatsvergleich beträgt das Minus gar über zehn Prozent.

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