Nach Corona:Wenn der Nudelboom vorüber ist

Coronavirus - Hamsterkäufe

Seit der Pandemie kochen die Deutschen mehr selbst, kaufen seltener und dafür mehr auf einmal ein.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Wie hat sich das Einkaufsverhalten verändert? Sehr stark. Aber was davon bleibt?

Von Michael Kläsgen

Mit dem Einkaufsverhalten ist das so eine Sache. Hat es sich verändert seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie? Ja, klar. Jeder kann das in seinem Alltag feststellen. Von den vielen kleinen oder größeren Veränderungen im individuellen Verhalten ist eine, die auf eine große Zahl von Menschen zutrifft, vielleicht die: Sie kochen seither öfter zu Hause, weil Home-Office möglich ist. Sie kaufen daher größere Mengen im Supermarkt ein und steuern möglich nur einen Laden an, um zu viele Kontakte zu vermeiden.

So war das eben noch, und ist doch jetzt schon wieder ein wenig anders, weil die Pandemie im Moment nicht mehr so bedrohlich erscheint. Aber auch das kann sich in den kommenden Herbst- und Wintermonaten wieder ändern. Keiner weiß im Augenblick, ob und wenn ja, wie.

Die Gültigkeit der zahllosen Studien zu dem Thema sind daher arg begrenzt. Der Klopapier-Hype hat, welch Wunder, nicht ewig angedauert. Der Nudelboom ist auch vorbei. Es erübrigt sich insofern auch, auf rasant gestiegene Verkäufe von Hula-Hoop-Reifen, Haarschneidern oder Bürostühlen hinzuweisen. Hat man eines der Produkte, schlägt man wahrscheinlich nicht gleich nochmal zu. Mal abgesehen davon, dass es bei diesen Umfragen auch immer darauf ankommt, wer wen in wessen Auftrag befragt.

Zwei Entwicklungen verändern das Konsumverhalten

Viel schwieriger ist daher die Frage zu beantworten, was bleibt. Was von der Veränderung nachhaltig ist - und das durchaus im doppelten Wortsinn. Also welche Verhaltensveränderung die Menschen nicht wieder so schnell ablegen werden - wie wahrscheinlich immer öfter auch mal online einzukaufen. Was davon aber auch im ökologischen Sinn nachhaltig sein wird, ist eine andere Frage. Denn hier überlappen sich zwei Entwicklungen: Corona und ein gleichzeitig gesteigertes Umweltbewusstsein prägen das Konsumverhalten derzeit.

Das unterstreicht eine Studie der GfK-Marktforscher diese Woche erneut: Immer mehr Menschen wollen mit ihren Einkäufen etwas Positives bewirken oder wenigstens etwas Negatives vermeiden, vor allem bei Lebensmitteln und Kleidung. Sie kaufen etwa regionale Produkte, möglichst kein Fleisch aus Qualzucht und Textilien mit Gütesiegel.

Das geben sie jedenfalls bei Befragungen an. Ob sie es dann auch wirklich tun, ist eine weitere spannende Frage. Oder besser: Ob sie es auch tun können? Die Angaben der Hersteller und Händler auf den Etiketten versteht man oft nicht. So kommt es, dass nicht jeder gut gemeinte Einkauf auch Gutes bewirkt. Darüber gibt es aber so gut wie keine Studien. Mit dem Einkaufsverhalten ist es halt so eine Sache.

© SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB