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Luftfahrt:Condor verhandelt mit Investoren

06.11.2018, DSSD Düsseldorf , Flugzeuge starten und landen am Düsseldorfer Flughafen. Condor , Thomas Cook *** 06 11 20

Im vergangenen Geschäftsjahr machte Condor coronabedingt einen Vorsteuerverlust von 320 Millionen Euro.

(Foto: Christoph Reichwein/imago images)

Der Ferienflieger hat fest mit dem Ostergeschäft gerechnet. Doch daraus wird wohl nichts.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Die Ferienfluggesellschaft Condor befindet sich nach Informationen aus Branchenkreisen in Gesprächen mit möglichen Investoren. Das Unternehmen will sicherstellen, auch bei einer langsameren Erholung im Luftverkehr und einem Ostergeschäft, das weitgehend auszufallen droht, ausreichend finanziert zu sein.

Condor bestätigte, sich "mit den Möglichkeiten zu einer finanziellen Unterstützung" auseinanderzusetzen und dazu "konstruktive Sondierungsgespräche" zu führen. Das Unternehmen ließ offen, ob es sich dabei nur um Privatinvestoren oder auch um den Staat handelt, der in den vergangenen Jahren schon zweimal eingesprungen war: zuerst aufgrund der Pleite des ehemaligen Mutterkonzerns Thomas Cook und nun wegen der Corona-Pandemie. Condor führt derzeit nur etwa fünf Prozent des normalen Flugprogramms durch.

Nach dem Zusammenbruch von Thomas Cook hatte Condor zunächst ein Schutzschirmverfahren durchlaufen. Die Bundesregierung und das Land Hessen hatten dies mit einem Kredit in Höhe von 256 Millionen Euro unterstützt, um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Die Corona-Krise war der zweite schwere Schlag - und wieder half der Staat. Dieses Mal erhielt Condor einen Kredit in Höhe von 550 Millionen Euro. Allerdings wurde dieser auch genutzt, um das erste Überbrückungsdarlehen zurückzuzahlen und die Kosten für das Schutzschirmverfahren in Höhe von 40 Millionen Euro zu begleichen. Zuvor hatte der Investor Polish Aviation Group (PGL) einen Rückzieher gemacht. Condor hatte das Schutzschirmverfahren trotz allem im November 2020 beendet. An Corona-Hilfen hat Condor "rund 250 Millionen Euro erhalten, aus denen wir bis dato schöpfen".

Aus dem im Bundesanzeiger veröffentlichen Jahresabschluss geht hervor, wie sehr die Krisen das Unternehmen getroffen haben: Im vergangenen Geschäftsjahr 2019/2020 (bis 30. November 2020) kam Condor coronabedingt nur auf einen Umsatz von 663 Millionen Euro und wies einen Vorsteuerverlust von 320 Millionen Euro aus. Für das laufende Geschäftsjahr soll der Umsatz auf 950 Millionen Euro steigen, Condor rechnete mit einem Gewinn in Höhe von acht Millionen Euro. Die Prognose stammt allerdings aus dem Dezember 2020, als Condor noch davon ausging, dass das Ostergeschäft schon wieder deutlich anziehen würde. Mittlerweile dürften die Erwartungen deutlich darunter liegen.

Und dann kündigt die Lufthansa auch noch das langjährige Kooperationsabkommen

Hinzu kommt, dass die jüngsten Corona-Beschlüsse die Reisebranche nicht betreffen. Weiterhin gelten starke Reiserestriktionen und Quarantäneregeln, die die Nachfrage gering halten. Die Ministerpräsidenten der Länder und die Bundesregierung wollen am 22. März beraten, ob es auch beim Reisen Lockerungen geben kann.

Für Condor ist die Lage aber nicht nur wegen der Pandemie heikel: Die Lufthansa hat ein langjähriges Kooperationsabkommen gekündigt, weil sie mit Eurowings Discover eine eigene Plattform für touristische Langstrecken hochziehen und auch auf Europastrecken stärker selbst in den Urlaubsverkehr einsteigen will. Condor klagt dagegen und argumentiert, die Lufthansa nutze ihre marktbeherrschende Stellung, um einen Konkurrenten zu verdrängen.

© SZ/vit
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