Commerzbank:Großprojekt mit Folgen

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt

Der Turm der Commerzbank vor Frankfurter Kulisse: Berichten zufolge muss IT-Vorstand Jörg Hessenmüller gehen.

(Foto: dpa)

Bei der Commerzbank steht erneut ein Vorstandswechsel an. Hintergrund ist wohl ein gescheitertes IT-Projekt.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Die Commerzbank kommt nicht zur Ruhe: Dem Vernehmen nach muss der in die Kritik geratene IT-Vorstand Jörg Hessenmüller bereits diese Woche seinen Posten räumen. Wie das Manager Magazin berichtet, wird der Aufsichtsrat wahrscheinlich bereits diesen Mittwoch über Hessenmüllers Abschied entscheiden. Zudem könnte das Kontrollgremium darüber befinden, wer neuer Privatkundenvorstand wird. Die Commerzbank wollte sich nicht äußern. Hessenmüller ließ eine Anfrage dazu unbeantwortet.

Hessenmüllers Abgang wäre vor allem deshalb pikant, weil der Aufsichtsrat seinen Vertrag gerade erst um fünf Jahre verlängert hat. Stein des Anstoßes ist ein von Hessenmüller verantwortetes IT-Großprojekt, welches sich anders entwickelt hat als geplant, was der Aufsichtsrat nun untersucht hat. Ein Bericht mit wesentlichen Ergebnissen sei jüngst vorgelegt worden, hieß es in Medienberichten. Diese ließen keinen anderen Schluss zu, als einen Ersatz für den zuständigen Vorstand zu suchen.

Das Geldhaus hatte im Juli erklärt, dass die geplante Auslagerung der Wertpapierabwicklung an eine Tochter der britischen Großbank HSBC gestoppt worden sei. Abschreibungen von rund 200 Millionen Euro waren die Folge, das Institut machte im zweiten Quartal auch deshalb Verluste. Ausgehend von einem Jahreshoch im Sommer haben die Aktien der Bank zuletzt rund 20 Prozent an Wert verloren und notierten zuletzt bei 5,55 Euro. Der neue Vorstandschef Manfred Knof war Anfang Januar mit dem Ziel angetreten die immer noch teilstaatliche Bank profitabel zu machen.

Im Haus wird nun geprüft, wer für das Scheitern des Großprojekts verantwortlich sei, hieß es schon im Juli. Damals hatte Hessenmüller noch Rückhalt von den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat bekommen. Interessant wird nun sein, ob die Bank Hessenmüllers Vertrag ausbezahlt, sofern es zu einer Trennung kommt. Das dürften in der Summe mehrere Millionen Euro sein. Darauf deutet hin, dass dem Manager bislang angeblich kein Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte, wie es in Konzernkreisen hieß. Zugleich war zu hören, Hessenmüller habe den Aufsichtsrat erst nach seiner Vertragsverlängerung über die Probleme informiert. Sollte dies zutreffen dürfte es Diskussionen über die Auszahlung geben.

Berichte, wonach Jutta Dönges in den Vorstand wechseln und dort das Privatkundenressort übernehmen wolle, wurden indes zurückgewiesen. Das Gerücht sei "schlicht unzutreffend", teilte die Geschäftsführerin der Finanzagentur des Bundes, die den Bund im Aufsichtsrat vertritt, mit. Sie habe "zu keinem Zeitpunkt einen Wechsel vom Aufsichtsrat in den Vorstand der Commerzbank angestrebt".

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