Commerzbank:Auf Distanz

File photo of workers making adjustments to a large Commerzbank logo in Frankfurt

Seit der Finanzkrise ist der Bund mit 15,6 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Ein Regierungswechsel könnte dies ändern.

(Foto: Ralph Orlowski/Reuters)

US-Fonds Cerberus prüft wohl den Kauf des Bundesanteils der Commerzbank.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Wann immer in der Corona-Krise von neuen staatlichen Beteiligungen an Großkonzernen die Rede war, wurde die Commerzbank stets als abschreckendes Beispiel genannt. In der Finanzkrise 2009 musste der Bund das Geldhaus teilverstaatlichten; seither ist er gleichsam gefangen in der Beteiligung. Während sich der Staat im Fall der Lufthansa bereits wieder von Aktien trennt, die er in der Corona-Zeit übernommen hatte, hält Berlin an der Commerzbank noch immer 15,6 Prozent.

Zuletzt hatte sich die Politik bei der Bank zwar ungewöhnlich stark eingebracht und sogar auf einen Austausch des Managements gedrängt, nun aber scheint man auf Distanz zu gehen: Der Finanzinvestor Cerberus, der bereits fünf Prozent an der Bank hält, interessiert sich laut einem Bericht des Handelsblatts für den Kauf der Staatsbeteiligung an der Commerzbank. Der US-Investor könne sich vorstellen, die Beteiligung des Bundes nach der Bundestagswahl zu übernehmen. Cerberus-Deutschlandchef David Knower habe bereits in Berlin signalisiert, einen Erwerb des Staatsanteils zu prüfen.

Ob es dazu kommt, dürfte auch davon abhängen, wie sich die Corona-Lage und die Wirtschaft in den nächsten Monaten entwickeln und welchen Preis die Bundesregierung aufruft. Eine wichtige Rolle dürfte zudem spielen, wer künftig die Regierung stellt. Die CDU sowie vor allem FDP und Grüne stehen einem Verkauf des Anteils wohl offen gegenüber, auch wenn die Steuerzahler damit freilich Verlust machen würden. Wollte der Staat sein Engagement ohne Verluste beenden, wäre ein Kurs von 26 Euro nötig. Derzeit notieren die Papiere bei 5,62 Euro. Fraglich ist auch, ob Cerberus ernsthafte Kaufabsichten hat.

Der Finanzinvestor, der 2020 noch zusammen mit dem Bund auf einen Strategie-Wechsel bei der Bank gedrängt hat, habe inzwischen weitgehend das Interesse verloren - eine Übernahme sei daher eher unwahrscheinlich, hieß es in Finanzkreisen. Cerberus war vor vier Jahren mit fünf Prozent bei der Commerzbank eingestiegen, damals notierte der Kurs noch bei rund 14 Euro.

Auffällig ist aber, dass sich der Bund nun nicht mehr wie gewohnt deutlich hinter die Commerzbank stellt. Vor einem Jahr hieß es noch, man stehe hinter dem Engagement bei der Commerzbank, die zentral sei für die Mittelstandsfinanzierung. Jetzt ließ das Finanzministerium wissen, über den Umgang mit der Beteiligung des Finanzmarktstabilisierungsfonds an der Commerzbank entscheide zu gegebener Zeit ein interministerieller Lenkungsausschuss. An der Börse kam die Nachricht jedenfalls gut an, schließlich gelten Staatsbeteiligungen dort grundsätzlich als nachteilig: Die Commerzbank-Aktie legte zeitweise um gut vier Prozent zu.

© SZ vom 18.09.2021
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