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Chefwechsel bei General Motors:Übergangschef löst Übergangschef ab

Ein Spezialist für eine spezielle Situation: Daniel Akerson soll General Motors zurück an die Börse führen. Allzu lange wird er den Autohersteller aber nicht leiten. Genauso wenig wie sein Vorgänger Ed Whitacre.

Der Schritt hat alle Auto-Experten komplett überrascht. Als sich die Überraschung jedoch gelegt hatte, entdeckten die meisten darin eine zwingende Logik. Der Übergangschef von General Motors (GM), Edward Whitacre, verkündete am Donnerstag seinen Rückzug vom Amt und benannte gleich den Nachfolger: Daniel Akerson, bisher einfaches Mitglied des GM-Verwaltungsrates, wird am 1. September den Job an der Firmenspitze übernehmen.

GM bekommt neuen Chef: Daniel Akerson

General Motors bekommt neuen Chef: Daniel Akerson gehört zu jenen Managern, die Präsident Barack Obama im Frühjahr 2009 holte, um den Autohersteller vor dem unkontrollierten Zusammenbruch zu bewahren. Nun rückt er ganz an die Spitze des Konzerns aus Detroit.

(Foto: dpa)

Gut ein Jahr nach der Pleite signalisiert der einst größte Autokonzern der Welt damit das Ende des Ausnahmezustands in Detroit. Die Opel-Mutter soll wieder ein normales Unternehmen werden. Gleichzeitig mit der Personalie konnte GM einen erstaunlich hohen Gewinn von 1,3 Milliarden Dollar für das zweite Quartal melden, das beste Ergebnis seit sechs Jahren. Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Konzern den Termin für die Rückkehr an die Börse nennen wird.

Der neue Chef Daniel Akerson, 61, gehört zu jenen Managern, die Präsident Barack Obama im Frühjahr 2009 holte, um General Motors vor dem unkontrollierten Zusammenbruch zu bewahren.

Keinerlei Erfahrungen aus der Autoindustrie

Ähnlich wie Whitacre verfügte er ursprünglich über keinerlei Erfahrungen aus der Autoindustrie, sondern machte seine Karriere in der Telekommunikationsbranche. Er leitete das Mobilfunkunternehmen Nextel, das später mit dem Konkurrenten Sprint zu Sprint Nextel fusionierte - heute der drittgrößte Anbieter in den Vereinigten Staaten.

Seit 2003 arbeitete Akerson in Washington für den Finanzinvestor Carlyle Group. Akerson gilt als harter, an Zahlen orientierter Manager. Er soll eine Schlüsselrolle bei der Absetzung von Frederick Henderson gespielt haben, dem letzten GM-Chef aus dem alten Management.

Akersons Karriere passt perfekt zur wichtigsten Aufgabe, die ihm jetzt bevorsteht: den Börsengang von General Motors vorzubereiten. Der neue Chef versteht als Carlyle-Mann etwas von Finanzmärkten, und er hat mit Nextel schon einmal ein Unternehmen geführt. Letzteres dürfte auch den Ausschlag gegeben haben im Vergleich zu anderen Kandidaten für den Posten - Finanzchef Christopher Lidell etwa oder Stephen Girsky, dem Strategiechef des Verwaltungsrats.

Die Entscheidung für Akerson ist auch eine Entscheidung für einen bestimmten Stil: Akerson hat Erfahrung darin, in schwierigen Situationen schnell Ergebnisse zu erzielen. Dagegen hat er noch nicht bewiesen, dass er ein Unternehmen langfristig strategisch neu ausrichten kann.

Die Frage ist jetzt: Wann kommt der Börsengang wirklich? Einig sind sich alle Beteiligten darin, dass der Konzern so schnell wie möglich an den Aktienmarkt zurückkehren soll; allerdings definieren sie den Begriff möglich zum Teil sehr unterschiedlich.

Unterschiedliche Prioritäten

Auf der einen Seite steht die Regierung Obama. Durch den staatlich kontrollierten Konkurs von GM im vergangenen Jahr wurde Washington mit einem Anteil von 61 Prozent Haupteigentümer von GM. Die Tatsache, dass der Staat Detroit regiert, ist in den USA extrem unpopulär, daher haben Obamas Demokraten ein massives Interesse daran, diesen Zustand schnell zu beenden.

Viele Marktexperten rechnen daher damit, dass der Börsengang noch deutlich vor den Kongresswahlen im November stattfinden wird. Je früher GM wieder zu einem normalen kapitalistischen Unternehmen wird, desto besser sind die Chancen der Demokraten, ihre zu erwartenden Verluste bei den Wahlen zu begrenzen.

Auch Akerson und das GM-Management wollen den Geruch des Staatsunternehmens möglichst schnell los werden. Aber sie gewichten die Prioritäten anders: Beim Börsengang soll jedes Risiko vermieden werden. "Es ist unglaublich wichtig, dass der Börsengang ein Erfolg wird", sagte Finanzchef Lidell im vorigen Monat der SZ.

"Dazu müssen die Aktienmärkte in einer guten Verfassung sein, der Automarkt und die Firma ebenso." Noch-Firmenchef Whitacre erklärte öffentlich, für ihn sei es sehr wichtig, dass GM genügend Zeit für die Vorbereitung des Börsenstarts habe und die Regierung auf einen Schlag ein möglichst großes Aktienpaket verkaufe.

Wegen seines Alters und der Besonderheiten seiner Karriere dürfte Akerson nur für relativ kurze Zeit an der Spitze von GM stehen. Er ist der Chef für den Übergang zur Normalität, nicht unbedingt für die Normalität selbst.

© SZ vom 14.08.2010/pak
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