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Britische Supermarktkette Tesco:Der Firmenchef weiß, dass er sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen darf

Er weiß nur zu gut, dass er sich nicht auf den Lorbeeren seines Vorgängers ausruhen kann. Dieser hatte in seiner 14-jährigen Amtszeit aus dem einst von Jack Cohen 1924 in Ost-London gegründeten Geschäft einen global agierenden Konzern gemacht. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Auf dem Heimatmarkt greifen vor allem auch deutsche Discounter wie Lidl und Aldi an. Die Briten schauen ähnlich wie die Deutschen bei Lebensmitteln auf den Preis. Da wird wegen der Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit auf der Insel jeder Penny umgedreht. Kein Zufall, dass Clarke auf eigene Billigmarken mit dem Namen "Market Value" setzt, um den Invasoren vom europäischen Kontinent Paroli zu bieten.

Tesco soll anders sein, als seine Konkurrenz

Andererseits muss Clarke die Diversifizierung vorantreiben, um sich vom margenschwächeren Lebensmittelgeschäft unabhängiger zu machen. Eine Strategie, die sich der Unternehmenschef vom US-Branchenprimus Wal-Mart abgeguckt hat. Dieser legte insbesondere im Nicht-Lebensmittel-Bereich zu, verdiente immer mehr mit Textilien, Compact Discs und Elektrogeräten. Ganz nach dem Geschmack von Clarke war es, dass gerade eine in großer Stückzahl produzierte Kopie des Verlobungskleides von Kate Middleton, der Ehefrau von Prinz William, bei Tesco zum Renner wurde - für den Preis von gerade einmal 16 Pfund.

So zaubert Clarke immer neue Ideen aus dem Hut. Vor kurzem gab er den Startschuss für die Website "Tescocars.com", auf der gebrauchte Autos verkauft werden. Die Wagen stammen vor allem aus den Flotten großer Vermietungsfirmen. Zudem ist Clarke mit der Übernahme der Firma Blinkbox ins Online-Videogeschäft eingestiegen.

Ein Joker des Konzernchefs sind zudem Finanzdienstleistungen. Ein Markt, in dem Tesco sich immer stärker als Konkurrent traditioneller Filialbanken etabliert. Seine Vision ist, Tesco als eine Art Volksbank zu etablieren. In den Chefetagen der großen britischen Kreditinstitute wie Barclays, Royal Bank of Scotland, Lloyds Banking Group und HSBC wächst bereits die Nervosität über den unliebsamen Konkurrenten. Clarke greift die Branche zu einem Zeitpunkt an, wo ihr Kundenimage infolge der Kreditkrise und der Debatte über viel zu hohe Gehälter für die Top-Banker nicht schlechter sein könnte. Etwa sechs Millionen Briten wickeln ihre Geldgeschäfte bis hin zur Kreditkarte bereits bei Tesco ab. Nun sollen in den großen Supermarktfilialen noch mehr Bankschalter eingerichtet werden.

Doch nicht alles läuft rund für Clarke. In den USA entwickelt sich das Geschäft für Tesco alles andere als zufriedenstellend. Der Auftritt unter dem Namen "Fresh & Easy" lockt weit weniger Kunden an als erhofft. Die Verluste häufen sich. Die Briten sind Meilen von ihren ursprünglichen Zielen entfernt, Hunderte von kleineren Nachbarschaftsmärkten zu eröffnen. Ein Rückzug vom amerikanischen Markt wird für Clarke aber kaum in Frage kommen, denn das würde den neuen Vorstandschef schnell als Verlierer abstempeln. Nun muss er weiter investieren, um das Produktangebot attraktiver zu machen. Ganz nach dem Werbemotto des Supermarktgiganten: "Every little helps", jedes bisschen hilft.