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Vergleichsportal:Check 24 verliert seinen Chef

Christoph Röttele hört bei Check24 auf.

(Foto: oh)

Christoph Röttele verlässt das Vergleichsportal Check 24 "aus familiären Gründen". Insider nehmen ihm die Begründung ab. Es gebe kein Zerwürfnis mit den Gründern und Mehrheitseignern. Zum unpassenden Zeitpunkt kommt der Weggang trotzdem.

Von Herbert Fromme, Köln

Christoph Röttele, Sprecher der Geschäftsführung bei Check 24, verlässt das Münchner Vergleichsportal. Das teilte Check 24 über eine Handelsregister-Bekanntmachung mit, über die der Branchendienst Finanz-Szene zuerst berichtete. Am Montag bestätigte das Unternehmen die Veränderung und nannte "familiäre Gründe" für die Trennung.

Check 24 war unter dem Namen Einsurance 1999 von Henrich Blase und Eckard Juls in München gegründet worden. Zuerst vermittelte die Firma vor allem Versicherungen über das Internet, inzwischen auch Reisen, Handytarife, Kleinkredite, Gas, Wasser oder Müllabfuhr, Mietwagen und viele andere Angebote.

Check 24 und andere Portale wie Verivox sind bequem. Verbraucher müssen den Preis für eine Versicherung oder einen Kredit nicht mühsam bei mehreren Anbietern abfragen, stattdessen liefern die Portale eine Auflistung passender Angebote - sortiert nach Preis und Qualität. Schließt ein Kunde einen Vertrag über das Portal ab, kassiert es dafür eine Provision vom Anbieter.

In Unternehmenskreisen heißt es, die Trennung von Röttele, 50, verlaufe freundschaftlich. "Es gibt kein Zerwürfnis." Sein Weggang wird Henrich Blase wieder in den Vordergrund rücken. Auch Mitgründer Juls ist weiterhin in der Geschäftsführung tätig.

Es ist nicht der erste Weggang eines prominenten Managers in jüngster Zeit. Im März hatte Tobias Stuber, bis dahin Geschäftsführer Kfz-Versicherungen, das Portal verlassen. Dennoch wäre es falsch, von Instabilität bei Check 24 zu sprechen. Juls und Blase haben auch zu Rötteles Zeiten die Fäden gezogen. Beide sind neben Finanzinvestoren Anteilseigner des Unternehmens. Röttele vertrat das Unternehmen bei öffentlichen Anlässen wie Konferenzen.

Bei aller Kontinuität - die Veränderungen in der Führung kommen zu einem kritischen Zeitpunkt für Check 24. Es gibt mindestens drei Problemfelder: Das Portal hat gerade eine eigene Bank aufgebaut, die C24-Bank, die bisher in Rötteles Verantwortungsbereich fiel. Künftig dürfte sich Blase mehr um sie kümmern. Mit der eigenen Bank kann das Portal noch ganz andere Angebote darstellen, wird aber künftig auch deutlich enger von den Aufsichtsbehörden überwacht als bisher.

Zweites muss Check 24 mit spürbar härterer Konkurrenz von großen Online-Unternehmen wie Amazon, Apple oder Google fertigwerden. Google ist bereits heute mit seinen Online-Anzeigen für Versicherungen indirekt ein großer Wettbewerber. Deshalb investiert Check 24 Millionensummen in die Entwicklung von Apps, um die Verbindung zu den Kunden über das Smartphone zu sichern. "Auch die Big Techs werden primär den Zugang zum Smartphone besetzen wollen", sagte Röttele Ende 2020 bei einer Fachkonferenz.

Schließlich kommt drittens hinzu, dass Versicherer und andere Dienstleister wachsende Probleme haben, die hohen Provisionssätze zu zahlen, die Check 24 verlangt.

Das Vergleichsportal hält sich nicht an die gesetzlichen Vorschriften und veröffentlicht kaum Geschäftszahlen. Auch die Zahl der vermittelten Verträge hält Check 24 geheim. Es dürften aber allein in der Autoversicherung inzwischen mehr als 1,5 Millionen sein.

© SZ/kö
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