Bertelsmann-Tochter:Großfusion in der Callcenter-Branche

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Bertelsmann-Tochter: Sitel gehört der französischen Milliardärsfamilie Mulliez, welche die größte Aktionärin des fusionierten Unternehmens werden soll.

Sitel gehört der französischen Milliardärsfamilie Mulliez, welche die größte Aktionärin des fusionierten Unternehmens werden soll.

(Foto: Jens Wolf/picture alliance/dpa)

Das im Euronext gelistete Unternehmen Majorel und Sitel werden zusammen bereits mit knapp neun Milliarden Euro bewertet.

Der luxemburgische Callcenter-Betreiber Majorel geht mit dem doppelt so großen Konkurrenten Sitel zusammen. Man habe sich auf Grundzüge einer Übernahme geeinigt, teilte Majorel mit, an der der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann mit 39,5 Prozent beteiligt ist. Das fusionierte Unternehmen wird mit insgesamt 8,7 Milliarden Euro bewertet. "Mit Majorel haben wir den perfekten Partner gefunden, um die Umsetzung unserer Strategie zu beschleunigen", sagte Sitel-Gründer und Vorstandschef Laurent Uberti, der das neue Unternehmen lenken soll. Es gehe darum, einen Global Player aufzubauen - "und vielleicht eines Tages den Weltmarktführer".

Majorel-Chef Thomas Mackenbrock sieht zwar Spielraum für weitere Zukäufe. Zunächst liege der Fokus aber auf der Fusion, die bis Anfang kommenden Jahres abgeschlossen werden soll. Mackenbrock soll künftig unter anderem für das Europa-Geschäft zuständig sein. Eigentümer von Sitel ist die französische Milliardärsfamilie Mulliez, die mit Unternehmen wie der Supermarktkette Auchan und dem Sportartikelhändler Decathlon reich geworden ist. Sie soll mit 45 Prozent auch größter Aktionär des fusionierten Callcenter-Betreibers werden. Bertelsmann lässt seinen Anteil auf zunächst 17,3 Prozent verwässern und zieht zusätzlich Geld aus Majorel heraus. Die börsennotierte Majorel soll dabei in Sitel aufgehen, das fusionierte Unternehmen aber an der Amsterdamer Börse Euronext gelistet bleiben.

Bertelsmann will seine Beteiligung weiter reduzieren

Zusammen kommen Majorel und Sitel auf mehr als 240 000 Mitarbeiter, 5,4 Milliarden Euro Umsatz und ein operatives Ergebnis (Ebitda) von mehr als einer Milliarde Euro. Die geplanten Einsparungen von 100 Millionen Euro sind darin schon eingerechnet. Majorel allein kam 2021 mit 75 000 Mitarbeitern auf 1,75 Milliarden Euro Umsatz und ein Ebitda von 316 Millionen Euro. Bertelsmann hatte die Callcenter seiner Tochter Arvato 2018 mit denen des marokkanischen Partners Saham zusammengelegt und unter dem Namen Majorel im Herbst 2021 an die Amsterdamer Börse gebracht. Dort wurde Majorel zuletzt mit knapp 2,6 Milliarden Euro bewertet. Am Montag sprang die Aktie um gut zehn Prozent auf 28,50 Euro, lag damit aber noch unter dem Ausgabepreis von 33 Euro.

Nach der Fusion sollen die Milliardärsfamilie Mulliez und das Sitel-Management zusammen 56 Prozent der Anteile halten, die bisherigen Majorel-Aktionäre 44 Prozent. Zudem sollten 440 Millionen Euro an die Majorel-Eigentümer ausgeschüttet werden. Auf Bertelsmann entfielen damit rechnerisch gut 170 Millionen. Der deutsche Medienkonzern und Saham wollen ihre Beteiligungen in den nächsten zwölf Monaten weiter reduzieren. Mit einer Platzierung von Majorel-Aktien soll der Streubesitz von 8,8 auf 20 Prozent steigen.

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