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Bundesbank:"Tresore sind voll"

In Krisenzeiten horten die Menschen mehr Bargeld. Das spürt man auch in der Corona-Krise. Die Bundesbank beruhigt: Es gebe genug Bargeld. Bundesbankvorstand Beermann sagt: "Wir haben mehr Geld gedruckt, als wir brauchen."

Die Bundesbank hält es für ausgeschlossen, dass es aufgrund der Corona-Epidemie zu Engpässen bei der Bargeldversorgung in Deutschland kommen wird. "Wir haben mehr Geld gedruckt, als wir brauchen. Die Tresore sind voll bis oben hin", sagte der zuständige Bundesbankvorstand Johannes Beermann am Dienstag in Frankfurt. Die Geldautomaten würden regelmäßig bestückt, nun auch an Samstagen. Am Montag hätten die Bargeldauszahlungen der Bundesbank zwar über dem Durchschnitt gelegen. "Die Banken haben ihre Eigenbestände aufgestockt, um die Nachfage der Kunden zu befriedigen", sagte Beermann. "Viele Menschen haben jetzt den Wunsch, mehr Bargeld zu Hause zu haben." Beermann teilte mit, die Nachfrage nach großen Geldscheinen wie 100 und 200 Euro habe etwas zugenommen. "Wir sehen da eine Tendenzverstärkung." Die Bundesbank sorge aber dafür, dass die Bargeldversorgung im Land funktioniere. "Das Bargeld wird nicht ausgehen, die Logistik stimmt."

In der Finanzkrise 2008 kam es in ganz Europa zu einem Bankenansturm. Bürger wollten ihr Geld abheben, aus Furcht, es könne im Zuge einer Bankenpleite verloren gehen. Diese plötzliche Nachfrage brachte einige Banken in Schwierigkeiten. Beispielsweise in Griechenland wurde die Bargeldauszahlung daraufhin zeitweise beschränkt. In Deutschland ist die Bargeldnutzung etwa im Vergleich zu skandinavischen Ländern noch weit verbreitet. Drei von vier Vorgängen an der Ladenkasse würden in bar abgewickelt, so die Bundesbank. "Im Schnitt bezahlt jeder 1,2-mal pro Tag mit Bargeld", so Beermann. Viele Menschen fragen sich in der aktuellen Situation, ob sie sich durch Bargeldnutzung dem Risiko einer Corona-Ansteckung aussetzen. In China haben die Behörden Geldscheine desinfiziert. In den USA werden Dollar-Banknoten, die in Asien gebraucht wurden, weggeschlossen.

Ist diese Vorsicht auch für die Euro-Noten und -Münzen notwendig? "Ich halte diese Maßnahmen für überzogen und unsinnig", sagte der Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Frankfurt, René Gottschalk, im Rahmen der Bundesbank-Pressekonferenz. Das Coronavirus werde durch Tröpfcheninfektion übertragen, also besonders, wenn Menschen husten oder niesen. "Die Infektion braucht eine große Anzahl von Viren", so Gottschalk. Diese notwendige Keimzahl dürfte weder auf Geldscheinen, noch auf Münzen erreichbar sein, genauso wenig wie auf Tischen oder Koffern, sagte Gottschalk weiter, der dennoch zu regelmäßigem Händewaschen rät. Doch wenn das Virus tatsächlich über Geldscheine übertragen würde, so der Experte, wären die Fallzahlen höher.

© SZ vom 18.03.2020

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