Bodyguard "Udo hat mir blind vertraut"

Schon als Jugendlicher fuhr er zu den Konzerten von Udo Lindenberg: Eddy Kante. (Foto: "Schwarzkopf&Schwarzkopf Verlag, Stefanie Brandenburg")

Eddy Kante war sein halbes Leben Bodyguard von Udo Lindenberg und lebte mit ihm im Hotel Atlantic. Heute hat er Existenzängste - und plant für die Altersvorsorge mit dem Dschungelcamp.

Von Jan Schmidbauer und Angelika Slavik, Hamburg

Der Mann, der mehr als 30 Jahre auf Deutschlands bekanntesten Rocker aufpasste, kommt mit der Harley-Davidson vorgefahren. Eine Lederkutte spannt sich mühsam über das breite Kreuz, an jedem Finger steckt ein silberner Ring, die meisten in Form eines Totenkopfes. Eddy Kante, geboren als Frank Schröder im nordrhein-westfälischen Hagen, will über die Liebe seines Lebens sprechen. Gemeint ist Udo Lindenberg.

Jahrelang verbrachte er jeden Tag mit dem Panik-Rocker, 24 Stunden. Kante war sein Bodyguard, er wohnte zeitweise gemeinsam mit ihm im Hotel Atlantic. "Udo hat mir blind vertraut", sagt er. "Ich habe seine Kreditkarte gehabt, alles." Doch vor gut zwei Jahren warf Lindenberg seinen Beschützer plötzlich raus. Der Grund: Kante wollte eine Autobiografie schreiben. Darin sollte es aber nicht nur um die Zeit mit Udo gehen, sondern auch um seine eigene, seine kriminelle Vergangenheit. Kante war Zuhälter, ein gewalttätiger Schläger, er saß mehrmals im Knast. "Das schadet der Firma", soll Lindenberg zu ihm gesagt haben. Doch Kante bestand auf seine Biografie, die er inzwischen auch veröffentlicht hat.

Früher sei alles besser gewesen auf dem Kiez

Mit dem Buch und einer Abfindung, die er nach einem Gerichtsstreit mit Lindenberg bekommen haben soll, dürfte Kante gutes Geld verdient haben. Darüber kann er allerdings nur lachen: "Das Geld ist doch schon lange weg." Er habe heute "Existenzängste." Für das Alter hat er nichts zurückgelegt, nie hat er gespart. Sogar einen Auftritt im Dschungelcamp schließt Eddy Kante nicht mehr aus: "Das mach ich doch! Du futterst zwei Wochen Würmer und verdienst so viel, dafür müssen andere ein ganzes Jahr malochen." Bislang verdient er sein Geld allerdings nicht im Fernsehen, sondern beispielsweise mit Kieztouren. Mehrmals am Wochenende führt er Touristen über die Reeperbahn. Er erzählt dann von früher, als dort alles besser, ehrlicher gewesen sei. Ludenromantik.

Tausend Mark am Tag hat er verdient, als er noch Zuhälter war, sagt Kante. Doch das Geld hat er verprasst. Zum Beispiel beim Backgammon spielen. "Das hat 15 Steine. Und wir haben pro Stein einen Tausender gesetzt." Mit dem Geld, das er nun verdient, will er vernünftiger umgehen. "Ich will, dass meine Kinder irgendwann mein Erbe kriegen."

Seit er nicht mehr für Udo arbeitet, hat Kante auch wieder eine Lebensgefährtin. Worauf es ankommt im Leben? "Dass du einen hast, der an dich glaubt und, dass du einen hast, der dich liebt", sagt Kante. "Bei Udo dachte ich, es gefunden zu haben, aber auf einmal ist es weg. Aber jetzt ist Sabine da." Das klingt versöhnlich, aber man merkt, dass Eddy Kante die Trennung von seinem "Ziehvater" nie verwunden hat. Er schreibt ihm SMS, er hört das neue Album und muss weinen. Aber er erinnert sich auch gerne an die gemeinsamen Erlebnisse zurück. "Es war so geil mit ihm", sagt Kante und erinnert sich dabei an die Geschichte mit der Lederjacke, die Udo Lindenberg an Erich Honecker schickte. Und Kante erzählt: Das war gar nicht Udos.

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