Blumenhandel:Als Symbol für Gefühle haben Blumen nie an Bedeutung verloren

Man kann sich die Situation der Blumenfachhändler vorstellen wie ein belegtes Brötchen, das von zwei Seiten platt gedrückt wird. Denn neben den Supermärkten gibt ja noch die Online-Händler. Start-ups wie Bloomon oder Miflora versenden fertige Sträuße als Geschenk, wahlweise mit Schokolade, Karte und Sekt. Nur ein paar Klicks, schon sind die Blumen auf dem Weg. Auch die beiden größten deutschen Blumenhändler - Blume 2000 und Fleurop - setzen zunehmend auf dieses Geschäftsmodell.

Fleurop, ein reiner Online-Händler, arbeitet zwar nach wie vor überwiegend mit dem Fachhandel zusammen - der online bestellte Strauß wird vom Laden vor Ort gemacht und geliefert. Da es aber immer weniger Läden gibt, versendet nun auch Fleurop Standardsträuße in der Kiste. Zusätzlich hat das Unternehmen das Blumen-Start-up Bloomy Days übernommen.

Als Karl Bode seine Ausbildung zum Floristen machte, glaubten seine Kollegen und er: Blumen begleiten uns das ganze Leben lang, von der Geburt bis zum Tod. Und noch immer sind Hochzeiten, Geburtstage, Valentinstage, Muttertage oder Beerdigungen ja Ereignisse, zu denen Blumen dazugehören. So gesehen haben sie als Symbol für Gefühle nie an Bedeutung verloren. Was die jungen Floristen damals aber nicht ahnen konnten war, dass sie trotzdem überflüssig werden würden. Weil auch andere Blumen verkaufen, weil es Moden gibt, die ihnen das Geschäft erschweren. Durch Urnenbestattungen etwa sind weniger Trauerkränze nötig, wer seine Wohnung trendbewusst dekorieren will, stellt sich derzeit nur ein paar einzelne Blumen in die Vase.

Haben die Blumenladeninhaber überhaupt noch eine Chance, zu überleben? Manfred Etzel steht im Laden, den er mit seiner Frau in München betreibt, und spricht über Blumen. Über die Geltung, die Mohn und Rosen haben, über eine am Bauhaus angelehnte Farbenlehre, über Naturalismus und Architektur. Er spricht über Kunst, dazu läuft klassische Musik. Etzel überreicht einer Frau den Strauß, den sie sich hat binden lassen. "Wunderschön", sagt sie und strahlt. Sie ist vom anderen Ende der Stadt gekommen, Blumensträuße kauft sie immer hier. 20 Meter weiter liegen bei Edeka die Tulpen und Primeln auf großen Gestellen. Dem Ehepaar Etzel macht das nichts aus.

Denn sie gehören zu denjenigen, die es geschafft haben, sich von den Großen abzuheben. Ihre Werkstätte für Floristik in Großhadern ist bekannt für schöne Sträuße, Johanna Märkl-Etzel bildet regelmäßig die besten Floristinnen in Oberbayern aus, all das spricht sich herum. Dazu die Lage: die Leute haben Geld, vor dem Laden gibt es einen Parkplatz und eine U-Bahn-Haltestelle, es sind nur ein paar Meter bis zur Klinik. Ärzte und Schwestern kaufen hier. "Und Weihnachtssterne, die Edeka dann für 1,49 Euro verkauft, bieten wir eben nicht mehr an", sagt Märkl-Etzel.

Viele Blumengeschäfte finden keine Mitarbeiter mehr

Dass sich Floristen auf ihre Kreativität konzentrieren, darauf, ihre Produkte noch kunstvoller zu gestalten, sei charakteristisch, sagt der Blumenexperte Frank Teuber. Und ein Problem. In Zeiten eines sich wandelnden Handels werde die Marktperspektive immer wichtiger. Floristen müssten sich spezialisieren und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Schon jetzt gibt es etliche, die nur noch Hochzeiten und Partys mit Blumen beliefern ("Garagenfloristen", sagen Ladenfloristen). Teuber fragt: "Wieso kooperieren Floristen nicht stärker mit Geschenkläden oder mit Supermärkten in Form von Shop-in-Shop-Konzepten?"

Aber auch die Etzels fragen sich, wie es weitergehen soll. Ihr Geschäft läuft zwar gut, trotz Edeka, aber sie finden keine Mitarbeiter mehr. Die Zahl derer, die eine Floristikausbildung machen wollen, ist von 2002 bis 2016 von 8068 auf 2580 gesunken, Floristenschulen schließen. Und ohne Angestellte kein Laden. Auch ihre Kinder, sagt Johanna Märkl-Etzel, wollten lieber studieren und etwas anderes machen.

© SZ vom 27.01.2018/jps
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