Blumen:Warum Sie besser Tulpen schenken

Blütenpracht in München

Zeitgeistige Blumen unter Münchner Sonne.

(Foto: dpa)

Wer zur ganz großen Liebesgeste ausholt, greift schon mal zur Rose. Dabei gilt sie heute eher als altbacken. Die Schnittblume der Stunde ist die Tulpe. Auch, weil sie bei richtiger Pflege so lange hält.

Von Cathrin Schmiegel

In keiner Geste dieser Welt verdichtet sich der Satz "Ich mag dich" so sehr wie in dem Überreichen der richtigen Blume. Was wäre auch geeigneter? Einige der Gewächse gelten ja als die Metapher für Verknalltheit schlechthin. Wer es dabei so wirklich ernst meint, der greift, natürlich, zur Rose. Schon Goethe verehrte sie in einem Gedicht als "die Allerschönste", unzählige Lyriker machten es ihm nach, und auch noch heute ist sie in ihrer Position als Grande Dame des Gewächshauses unangefochten. Allerdings teilt sie sich mit manch anderer Grandezza ein Schicksal: Sie passt irgendwie nicht mehr so richtig in die heutige Gesellschaft. Viele, es sind vor allem die Jüngeren, finden sie zu angestaubt, ihre Eleganz antiquiert. Wer seine Zuneigung auf hippe Art bekunden möchte, der muss sich heute etwas anderes überlegen.

Es ist die Tulpe, die den Zeitgeist eher trifft. Der Trend weist da in eine eindeutige Richtung. In dieser Saison werden in den Niederlanden, dem Place to be für Tulpenzüchter, mehr als zwei Milliarden der Schnittblumen produziert. Und das zum ersten Mal überhaupt. Die Information stammt von der Königlichen Vereinigung der Blumenzwiebelzüchter, deren Existenz schon einiges über das Standing der Tulpe verrät. Und die sagt auch: Die Hälfte aller Exporte geht nach Deutschland. Dort schätzen sie vor allem Frauen sehr.

Das weiß Iwona von dem Berliner Blumenladen Flores y Amores, der der Tulpe gleich einen eigenen Blog widmet: "Männer kaufen sehr gerne Rosen für Frauen", sagt die Floristin. "Die freuen sich aber mehr über einen Bund Tulpen." Die Rose gelte als verpönt, als zu "kitschig" und "einfallslos", also: für die moderne Liaison auf Augenhöhe nahezu ungeeignet. Die Tulpe dagegen punktet mit Bodenständigkeit. Und romantisch, das ist auch sie trotzdem.

Alexandre Dumas etwa widmete ihr mit "La Tulipe noir" einen Roman. Darin findet der Protagonist, ein Zwiebelzüchter, mit ihrer Hilfe die Liebe und eine Frau, die ihm hilft bei dem Versuch, die erste schwarze Tulpe zu erschaffen. Und manche Floristen erzählen sich die Sage von einem türkischen Prinzen, der die Blume züchtete als Symbol für die reine Liebe.

Geschichten wie diese gibt es einige, in manchen steckt sogar ein wenig Wahrheit. Tatsächlich stammt die Tulpe nicht aus Holland, sie ist von Geburt her Türkin. Im 16. Jahrhundert erst wurde sie in die Niederlande überführt. Dort feiert man ihr zu Ehren jährlich den Nationalen Tulpentag, was sowohl als Knicks vor der Schönheit der Blume zu werten ist als auch als Indiz dafür, dass sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist: Im Goldenen Zeitalter der Niederlande waren sie Spekulationsobjekt, was zur Krise führte. In diesem Jahr jedoch bringt der Verkauf wahrscheinlich 300 Millionen Euro, ein großer Teil davon in deutschen Supermärkten. Allein die Ketten Aldi Süd und Aldi Nord erwerben 600 Millionen Stück. Das zeigt: Die Tulpe ist längst im Mainstream angekommen. Von ihrem Image als abgeschmacktes Mitbringsel hat sie sich emanzipiert.

Schließlich ist es schon besonders, welche Vorteile die Blume außerhalb romantischer Gesten in sich vereint. Ihre Farben - mal in rot und gelb, mal in lila und leuchtend pink - bringen schon seit Jahren etwas Verrücktheit in die Vase und in das Leben ihrer Käufer, und werten schnell jede Studentenbude auf. Da ist auch der Preis ein wesentliches Argument, einen Bund mit einem Dutzend Tulpen bekommt man in manchen Discountern schon für wenige Euro. Allzu oft muss man die auch nicht investieren, immerhin hält das Zwiebelgewächs bis zu sieben Tage in der Vase durch, in ihrem Dasein als Schnittblume also quasi ewig. Zumindest, wenn man sie richtig pflegt. Da gibt es allerdings einiges zu beachten.

Tulpen richtig pflegen

Die weißen Stellen an den Stängeln etwa, die müsse man mit dem Messer wegschneiden. Dann, sagt der niederländische Bloomon-Florist Anton van Duijn, wachsen sie nach dem Pflücken weiter. Ein blühendes Symbol für Leben, und eine Eigenschaft, welche die wenigsten Blumen besitzen. Wer die Tulpe aber aus Platzmangel oder des eigenen Geschmacks wegen nicht wachsen lassen will, der steckt sie in kaltes Wasser statt in lauwarmes. Und, sehr wichtig: Niemals darf man den Strauß neben die Heizung stellen, sonst geht es der Blume wie strapazierter Gesichtshaut im Winter. Ihre Schönheit welkt.

Übrigens wäre es verkürzt zu behaupten, nur der einfarbige Bund aus dem Supermarkt findet in Deutschland Anerkennung. So eine Tulpe nämlich beherrscht die Kunst der Verwandlung perfekt. An die 150 Tulpenarten gibt es. Darunter durchaus exquisite. Der Florist van Duijn arbeitet für Arrangements gerne mit der "Flaming Parrot". Tatsächlich ähnelt die einem entflammten Papageien in manchen Punkten. An der gelben Blüte züngelt die rote Farbe empor, was ebenso verrückt ist wie aufregend. En vogue ist derzeit auch die "Queensland"-Tulpe in Rosa, deren Blüte ausfranst und anmutet wie eines von Omas alten Zierkissen. Diese unterschiedlichen Arten kombiniert van Duijn am liebsten miteinander. "Das sieht dann aus wie ein bunter Strauß aus ganz verschiedenen Blumen", sagt er. Und: "So vielfältig ist die Tulpe." Einen Fauxpas sollte man aber umgehen, und auf extra Grünzeug verzichten. Das wäre zu viel fürs Auge mit all der Farbe.

Damit ist die Blume nach van Duijn auch für eine Bevölkerungsgruppe gut geeignet: den stilbewussten Großstädter in den Zwanziger und Dreißigern. Die Stadt und seine Bewohner ähneln einer Tulpe angeblich in manchem. "Berlin zum Beispiel hat zwei Gesichter, eines im Winter und eines im Frühling, in dem auch die Tulpe Saison hat", sagt der holländische Florist. Bei dieser Blume verhalte es sich mit ihren vielen unterschiedlichen Farben ähnlich, somit passe sie wunderbar zu trendigen Menschen.

Wem es an Knalligkeit denn tatsächlich einmal zu viel werden sollte, dem kann die Tulpe trotzdem noch gefallen: Es gibt sie auch ganz in schwarz. Was sie auch für ernste Anlässe als gut geeignet erscheinen lässt. Oder eben doch für den Liebhaber klassischer Eleganz.

© SZ vom 04.02.2017/feko
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB