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Coronavirus:Knapp 300 Arbeiter eines Fleischbetriebs infizieren sich

Fleischerei

Die betroffene Firma erklärt sich die hohe Ansteckungszahl mit der Wohnsituation der Werkvertragsbeschäftigten, die unter anderem aus Rumänien, Ungarn und Polen kommen.

(Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

Vor allem die beengten Wohnverhältnisse vieler Beschäftigter spielen bei den Ansteckungen mit Sars-CoV-2 eine Rolle.

In einer Fleischfirma in Birkenfeld bei Pforzheim sind inzwischen 270 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte die Firma in Baden-Württemberg auf Anfrage mit. Zuvor hatten verschiedene Medien über den weiteren Anstieg berichtet. Betroffen seien vor allem ausländische Werkvertragsbeschäftigte, aber auch eigene Mitarbeiter. Sie seien in Quarantäne. Der Betrieb mit insgesamt 1100 Mitarbeitern laufe "etwas reduziert" weiter, sagte ein Sprecher der Firma. Unternehmen und Gesundheitsamt sehen keine Gefährdung für Verbraucher.

"Die am Standort hergestellten Fleischwaren sind uneingeschränkt verkehrsfähig und können unbedenklich verzehrt werden", hieß es vom Unternehmen. Auch das Gesundheitsamt weist darauf hin, dass bundesweit bisher "keine Infektionen mit Sars-CoV-2 über diesen Übertragungsweg (Fleisch) bekannt sind".

"Relativ nah beieiander"

Die Firma erklärt sich die hohe Ansteckungszahl mit der Wohnsituation der Werkvertragsbeschäftigten, die unter anderem aus Rumänien, Ungarn und Polen kommen. Dem Sprecher zufolge leben sie in Wohnhäusern "relativ nah beieinander, vergleichbar mit Studenten-WGs". Nach Angaben des Landratsamtes wohnten viele der positiv Getesteten in Gemeinschaftsunterkünften. Wiederholt hatten zuvor Kritiker darauf hingewiesen, dass gerade in solchen Gemeinschaftsunterkünften das Ansteckungsrisiko groß ist.

Der Behörde lag am Gründonnerstag das erste positive Testergebnis eines Werkvertragsbeschäftigten vor. Weil Kranke schlecht von gesunden Bewohnern isoliert werden konnten, wurden die positiv Getesteten in Ausweichquartieren untergebracht, darunter ein Reha-Zentrum und ein geschlossenes Hotel. "Die Menschen werden versorgt, so dass sie vor allem nicht selbst einkaufen müssen. Insofern besteht für die Nachbarschaft auch keinerlei Gefahr, sich anzustecken", so das Gesundheitsamt. Die Firma habe sich grundsätzlich bereiterklärt, sich an den Kosten für die Quarantäne-Einrichtungen zu beteiligen.

Kritik der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, wonach die Mitarbeiter nicht ausreichend geschützt worden seien, wies der Firmensprecher zurück. Man arbeite unter sehr strengen Hygienemaßnahmen und mit größeren Abständen. Das Unternehmen ist ein Schlacht- und Zerlegebetrieb und beliefert eigenen Angaben zufolge unter anderem den Handel und Großverbraucher. In dem Betrieb arbeiten 450 eigene Mitarbeiter sowie Beschäftigte von Dienstleistern. Die rumänische Regierung hat klargestellt, dass es sich bei den Infizierten nicht um Saisonarbeiter handle, sondern um Leute, die ständig hier arbeiten.

© SZ.de/dpa/hgn
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