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Wechselkurse:Wie man im Urlaub am günstigsten bezahlt

Münchner Bahnhofsviertel, 2007

Umrechnen, umtauschen - oder doch lieber alles in Euro zahlen?

(Foto: Robert Haas)

Bar oder mit Karte? Landeswährung oder Euro? Wer im Ausland unterwegs ist, zahlt schnell drauf. In einigen Ländern ist besondere Vorsicht geboten.

Wollen Reisende im Ausland Bargeld abheben oder online bezahlen, stehen sie meist von einer Sekunde auf die andere vor der Wahl: Den Betrag gleich bequem in Euro umgerechnet? Oder doch besser in der Landeswährung? Da nur die wenigsten Touristen den Umrechnungskurs von Pfund, Dollar, Dirham oder Krone kennen, drücken viele spontan die Euro-Taste. Doch das schnelle Ja zur vertrauten Heimatwährung kann ins Geld gehen. Es verteuert Transaktionen blitzartig um bis zu 13,7 Prozent, wie Michael Bäumer warnt, Experte von Finanztest in Berlin. Der Wechselkurs ist dann deutlich schlechter als bei der Bank daheim. Oft kommen auch noch Gebühren obendrauf. Die ärgerlichen Kostenfallen lauern weltweit.

Wie verbreitet sind die Aufschläge?

Was vor ein paar Jahren mit vereinzelten verdeckten Aufschlägen für den Euro-Kurs begann, hat sich zu einer Art moderner Wegelagerei entwickelt, wie Verbraucherschützer kritisieren. Nach einer neuen Untersuchung von Finanztest ist das verlockende Angebot, das ausbezahlte Geld oder die fällige Rechnung sofort bequem in Euro umrechnen zu lassen, mittlerweile in nahezu allen Nicht-Euro-Ländern verbreitet. Ob in Metropolen wie London, Kopenhagen oder Prag, in Reiseländern wie Polen, den Vereinigten Arabischen Emiraten, in der Schweiz, Thailand oder in den USA - überall versuchen lokale Händler und Banken, über die Kursumrechnung mitzuverdienen. Die Geschäftemacherei mit happigen Aufschlägen lauert nicht nur beim Geldabheben am Automaten. Sie ist auch beim Auschecken aus Hotels allgegenwärtig, beim Essengehen, Tanken, Shoppen oder beim Einkaufen in Supermärkten - immer dann, wenn Reisende bargeldlos zahlen wollen, ob mit ihrer Girocard, also der früheren EC-Karte, oder per Kreditkarte.

Was sind die Tricks?

Auch wenn der Euro vertraut ist: Auf Reisen ist der angezeigte Betrag in der Landeswährung immer die günstigere Variante. Denn: Die Automatenbetreiber vor Ort nehmen bei der Direktumrechnung einen schlechteren Kurs und mehr Provision als die Heimatbank zu Hause - und verdienen daran. Wer im Urlaub zum Beispiel insgesamt 700 Euro am Geldautomaten zieht, hat allein durch die Sofortumrechnung bis zu 70 Euro Mehrkosten am Hals und mehr. Aufgepasst: Oft wird auch noch trickreich nachgehakt und gezielt verunsichert. So kann zum Beispiel bei Geldautomaten plötzlich das Display rot blinken, wenn der Kunde auf die Umrechnung in Euro verzichtet. Das Warnsignal soll die Kundschaft aufschrecken und dazu verleiten, letztlich doch die Euro-Taste zu drücken. Beim Online-Bezahlen ist die Euro-Summe manchmal farbig hervorgehoben, damit der Kunde instinktiv die Okay-Taste drückt. Klappen die Tricks, müssen die Betreiber deutlich weniger Geld auszahlen als sonst üblich. Je kleiner der Betrag, desto mehr zahlen die Touristen in der Regel drauf.

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Was hilft?

Die meisten Urlauber merken vor Ort gar nicht, dass sie mit der Sofortumrechnung in Euro ein schlechtes Geschäft gemacht haben. Auf den Displays der Geldautomaten werden die happigen Kosten jedenfalls nicht angezeigt. Die Aufschläge laufen im Hintergrund. An vielen Stationen zum Geldziehen steht sogar frech: 0% Umrechnungsgebühr oder 0% "Commission", also keine Gebühren. Oder das Versprechen: "garantierter Wechselkurs". Es sei schwer, der Masche zu entgehen, so die Erfahrungen Bäumers. Nur wer den aktuellen Wechselkurs kennt, sich nicht beirren lässt und die Euro-Option verweigert, kann größere Verluste vermeiden. Das gilt auch fürs Bezahlen an Ladenkassen. Dann ist die lokale Bank gezwungen, den Betrag in Landeswährung an die Bank daheim zu melden. Und diese rechnet in der Regel zum deutlich besseren Kurs um.

Was ist neu?

In einigen Ländern schützt neuerdings auch große Vorsicht nicht mehr vor Verlusten beim Geldabheben, wie Finanztest jetzt herausfand. Demnach werden Urlauber in sechs Ländern - Island, Polen, Serbien, Tschechien, Ungarn und der Türkei - oft garantiert zur Kasse gebeten. "Auch wer hier die Sofortumrechnung verweigert, kommt nicht wirklich günstig davon", erläutert Bäumer. Entweder, die Urlauber müssen dann eine Geldautomatengebühr zahlen. Oder sie bekommen einen schlechten Wechselkurs, der teilweise noch mit einer Gebühr kombiniert wird. Wer kann, solle vor allem die Geldautomaten von Euronet meiden, raten die Berliner Tester. Außerhalb Europas, etwa in USA oder Südostasien, werden laut Finanztest häufig Extra-Gebühren an Geldautomaten verlangt, und zwar zwischen umgerechnet gut zwei Euro in Singapur und sechs Euro in Thailand.

Wie kann man sich vorbereiten?

Wer auf Reisen in Nicht-Euro-Länder geht, sollte sich am besten vorher über den aktuellen Wechselkurs informieren, empfiehlt der Bundesverband deutscher Banken. Wer sich kundig gemacht hat, kann schlechte Wechselkurse besser erkennen. Vor Ort geht der Währungscheck flink mit der kostenlosen App "Reise und Geld" des Bankenverbandes. Damit lassen sich etwa 160 Währungen in Euro umrechnen und Fallen umschiffen. Die Finanztest-Experten haben in der Juni-Ausgabe zudem eine Übersicht erstellt, in welchen Reiseländern die Sofortumrechnung allgegenwärtig ist ,und wo Automatengebühren häufig vorkommen.

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