Betriebsrente Firmen beklagen Pensionsregeln

Der Staat geht bei den Rückstellungen für Betriebsrenten von einem hohen Zinssatz aus - entsprechend besteuert er Unternehmen. Doch in Niedrigzinszeiten ist die Vorgabe unrealistisch.

Von Herbert Fromme, Köln

Deutsche Unternehmen zahlen Milliarden an Steuern zu viel, weil der Staat bei den Rückstellungen für Betriebsrenten mit der unrealistisch hohen Zinsannahme von sechs Prozent kalkuliert. Nach Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) macht das über die Laufzeit der Altersversorgungszusagen insgesamt 20 Milliarden Euro bis 25 Milliarden Euro aus, die vor allem seit 2008 angefallen sein dürften. "Die Firmen bekommen das Geld zwar später vom Fiskus zurück, doch in der aktuellen Situation ist der Zustand brandgefährlich", sagte der IW-Experte Tobias Hentze. Den Firmen fehle Liquidität. Betroffen sind ältere Betriebsrentensysteme, mit denen Unternehmen vor 40 bis 50 Jahren um gute Mitarbeiter warben. Dabei versprachen sie eine feste Betriebsrente. Es handelt sich um Lohn, der in der aktiven Zeit nicht ausgezahlt nicht. Stattdessen leiht sich das Unternehmen das Geld bei den Beschäftigten, um es später über die Rente zurückzuzahlen. Viele Firmen nutzten es in der Zwischenzeit als günstiges Fremdkapital.

Doch die lange Phase des Niedrigzinses und die steigende Lebenserwartung führen zu zwei Problemen: Die Unternehmen müssen in der Bilanz höhere Rückstellungen bilden. Zwischen 2008 und 2014 sind sie von 22 000 Euro auf 37 000 Euro pro Kopf gestiegen. Dazu kommt, dass die Finanzbehörden diese Mehrbelastung nicht anerkennen und weiter von einem fiktiven Zinssatz von sechs Prozent für die Pensionslasten ausgehen. Die Differenz zwischen echter Rückstellung und steuerlich anerkannter Rückstellung gilt bei ihnen als Gewinn. Er muss versteuert werden, auch wenn die Firmen das Geld in späteren Jahren zurück bekommen. Das IW fordert, dass der Gesetzgeber die Berechnungsmethoden ändert und den steuerrechtlichen Zinssatz absenkt.