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Betreiber des Fukushima-AKW in Finanznot:Tepco droht Teilverstaatlichung

Muss Japans Regierung den Kraftwerkbetreiber Tepco retten? Einem Medienbericht zufolge gerät das Unternehmen erneut unter starken finanziellen Druck - es könnte sogar zu einer teilweisen Verstaatlichung kommen.

Seit im März das Atomkraftwerk in Fukushima havarierte, steckt die Betreiberfirma Tepco in einer große Krise. Und nun droht dem Unternehmen sogar eine Teilverstaatlichung.

Fukushima

Seit der Kernschmelze im März im Kernkraftwerk Fukishima Dai-ichi hat der Betreiberkonzern Tepco massive finanzielle Probleme. Bisher half immer der Staat mit Milliarden, deshalb ist jetzt eine Verstaatlichung des Betriebs im Gespräch.

(Foto: dpa)

Wie die Financial Times berichtet, steht Tepco erneut vor großen finanziellen Problemen - wie auch schon direkt nach der Katastrophe, bei der das AKW Fukushima Daiichi nach einem Erdbeben und einem Tsunami stark beschädigt wurde. Diese könnten Insidern zufolge bald dazu führen, dass die japanische Regierung Kapital in das Unternehmen einbringt und es damit faktisch verstaatlicht.

Angeblich geht es um eine eine Kapitalbeteiligung von 1000 Milliarden Yen (etwa 9,6 Milliarden Euro) oder mehr. Tepco-Aktien, die seit dem Reaktorunglück im März bereits um 85 Prozent gefallen sind, verloren am Donnerstag erneut elf Prozentpunkte.

Zwei Regierungsbeamte, die an der Ausarbeitung der Pläne beteiligt sind, bestätigten der Financial Times, dass jetzt erneut eine Kapitalspritze in der Diskussion sei. Beide betonten allerdings, dass noch keine endgültige Entscheidung getroffen wurde. Ein entsprechender Antrag müsste von Tepco kommen, bei den Führungskräften des Unternehmens sei eine staatliche Kontrolle aber heftig umstritten.

Tepco ist bekannt dafür, Reformen abzulehnen

Schon im März hatte der Staat dem Unternehmen geholfen: Damals war es darum gegangen, den Opfern des havarierten Atomkraftwerkes in Fukushima eine Entschädigung zu zahlen. Ohne das Abkommen wäre der Konzern pleite gewesen.

Die aktuelle Finanzknappheit von Tepco resultiert aus der geplanten Stilllegung der Anlage selbst. Ein von der Regierung eingerichtetes Panel hatte im Oktober geschätzt, dass die Abdichtung und die Demontage der vier zerstörten Reaktoren etwa 1100 Milliarden Yen (10 Milliarden Euro) kosten würden. Einige Regierungsbeamte und externe Experten gehen aber davon aus, dass der tatsächliche Betrag noch um einiges höher liegt. Tepco und Aufsichtsbehörden sollen an einem Plan arbeiten, der bis Ende dieses Monats abgeschlossen sein soll.

Selbst eine teilweise oder vorübergehende Verstaatlichung von Tepco würde es leichter machen, beispielsweise das Stromerzeugungs- und -Stromlieferbusiness zu trennen oder das Unternehmen dazu zu bringen, die Kontrolle über seine verbleibenden Nuklearanlagen aufzugeben. Aber das einflussreiche regionale Monopolunternehmen ist bekannt dafür, vorgeschlagene Reformen abzulehnen.

Damit eine Beteiligung der Regierung an Tepco tatsächlich möglich ist, müssten die Aktionäre auf ihrer Jahrestagung im Juni einwilligen.

© sueddeutsche.de/aper/aum
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