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Berkshire Hathaway:Das ist die teuerste Aktie der Welt

Berkshire Hathaway Inc. Annual Shareholders Meeting

Er mag seine Anleger, und sie mögen ihn: Warren Buffett unterhält seine Anteilseigner mit Zeitungsweitwurf.

(Foto: Daniel Acker/Bloomberg)
  • Eine einzelne Aktie der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway kostet seit dieser Woche erstmals mehr als 250 000 Dollar.
  • Die Firma gehört dem legendären Investor Warren Buffett - und der hält die Papiere ganz bewusst so teuer.

Von Jan Willmroth, Frankfurt

Es gab eine Phase, da sahen die Aktien des Technologiekonzerns Apple teuer aus, sehr teuer. Um nur einen Anteilschein des iPhone-Herstellers zu besitzen, mussten Investoren vor nicht allzu langer Zeit mehr als 700 Dollar ausgeben. Ein iPhone gibt's für weniger Geld. Apples Aktie lief Gefahr, für private Investoren ohne große Vermögen unattraktiv zu werden. Unternehmenschef Tim Cook reagierte und verkündete die größte Aktienteilung in der Geschichte des Unternehmens. Ein radikaler Schritt: Für jede Aktie erhielten Anteilseigner sieben neue. Aus etwas mehr als 700 Dollar wurden im Sommer 2014 mit einem Mal gut 100 Dollar.

"Wir handeln, um Apples Aktie wieder einem größeren Kreis von Investoren zugänglich zu machen", sagte Cook damals. Es war nicht viel mehr als ein psychologischer Trick. Sieht eine Aktie zu teuer aus, schreckt sie mögliche Anleger ab. Mit Aktienteilungen versuchen Unternehmen, ihre Anteile günstiger wirken zu lassen.

Buffett hält die A-Aktien seiner Firma bewusst teuer

Es gibt aber auch das andere Extrem, man findet es in Omaha, Nebraska, von wo aus Warren Buffett sein Beteiligungskonglomerat Berkshire Hathaway lenkt. Mit diesem hält er große Anteile an inzwischen etwa 90 Unternehmen. Gerade wurde bekannt, dass Berkshire in den letzten drei Monaten 2016 seine Apple-Beteiligung fast vervierfacht hat und nun zu den zehn größten Investoren gehört.

Mit den Aktien seiner eigenen Firma geht Buffett aber bewusst anders vor als Apple. Die Anteile mit vollen Stimmrechten, die sogenannten A-Aktien, hält er bewusst teuer und sperrt damit viele mögliche Investoren aus. Am Dienstag schaffte das Unternehmen einen neuen Rekord. Zum ersten Mal schlossen die Berkshire-Aktien jenseits der 250 000 Dollar. Das ist mit weitem Abstand der höchste Preis für einen einzelne Aktie in den USA.

Wer sich das leisten kann, erhält Stimmrechte. Sie bleiben Eignern der sogenannten B-Aktien verwehrt. Diese sind deutlich günstiger und werden häufiger gehandelt, auch sie schlossen zuletzt zu einem neuen Rekord von etwa 167 Dollar. Aber sie haben nur ein Stimmgewicht von einem Zehntausendstel der A-Aktien. Viel mitzureden gibt es da nicht.

Viele der A-Aktionäre sind bereits seit vielen Jahren mit dem Unternehmen verbunden und sahen mit an, wie es von einem persönliches Investmentvehikel Buffetts zu einer der mächtigsten Beteiligungsfirmen des Planeten wurde. Heute vereint es Versicherungen, Energiekonzerne, Transportfirmen, Technologieunternehmen, Einzelhändler und Medienkonzerne. Buffett sieht seine Aktionäre als Partner und erwartet von ihnen eine lange Beteiligung. Ein möglichst hoher Preis mache das wahrscheinlicher, glaubt er.

Die Aktie als Eintrittskarte zu einem exklusiven Investment-Klub

Wenn er über seine Aktien spricht, zitiert er gern aus seinem Aktionärsbrief von 1983. Damals war Berkshire noch vergleichsweise winzig. Er würde niemals die Zahl der Anteilsscheine erhöhen, damit sie zu einem anderen Preis notieren, machte er klar. "Würden wir Aktien teilen oder andere auf den Aktienpreis bezogene Dinge tun, würden wir eine Klasse von Käufern anziehen, die den aktuellen Verkäufern unterlegen ist", schrieb er. Investoren, die nur kaufen, weil eine Aktie günstiger aussieht, sollten draußen bleiben. "Der Schlüssel zu einem vernünftigen Aktienpreis sind vernünftige Investoren", schrieb er. Sonst kämen periodisch nämlich "ziemlich alberne" Preise zustande.

Ein Stück weit widerspricht das der gängige Theorie offener, effizienter Aktienmärkte. Normalerweise ist die Liquidität eine Wertpapiers wichtig. Je liquider ein Wertpapier, desto leichter und schneller lässt es sich zum aktuellen Preis verkaufen. Aus Tausenden Käufen und Verkäufen werden an den Börsen der Welt täglich Kurven geformt, die in Echtzeit ausdrücken, wo ein Unternehmen steht und was Investoren für die Zukunft von ihm erwarten - der Preis enthält alle demzufolge alle verfügbaren Informationen.

Ob eine Aktie nun teuer ist oder günstig, gehört dabei zu den schwierigsten Fragen, die ein Investor sich stellen kann. Erst Kenngrößen wie der Preis relativ zur Zahl der Aktien oder das Verhältnis von Gewinnen zum Unternehmenswert lassen entsprechende Schlüsse zu. Kostet eine Aktie aber derart viel wie die Premium-Anteile an Berkshire, ist das ein deutliches Signal: Wir wollen nur Premium-Käufer. Und die Aktie ist nicht nur ein Anteil, sondern eine Eintrittskarte zu einem exklusiven Investment-Klub.

© SZ vom 16.02.2017/vit

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