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BER:Rauswurf vertagt

Die Eigentümer des neuen Berliner Flughafens können sich nicht auf eine Trennung von Unternehmenschef Karsten Mühlenfeld einigen. Die Personalentscheidung scheiterte am Widerstand von Brandenburg. Nächstes Treffen: 6. März.

Von Markus Balser, Berlin

Die Entscheidung über die künftige Führung des Pannenflughafens BER ist vertagt. Auf einem Krisengipfel am Mittwochabend in Berlin konnten sich die Eigentümer der Flughafengesellschaft, die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund, nicht auf eine Lösung einigen. Der Aufsichtsrat ging in der Nacht zum Donnerstag ohne Ergebnis auseinander, wie das Unternehmen mitteilte. Das Kontrollgremium will seine Beratungen über die Zukunft von Flughafenchef Karsten Mühlenfeld jetzt am Montag fortsetzen.

Ob Karsten Mühlenfeld wirklich Regelverstöße begangen hat, ist unklar

Eine Trennung scheiterte nach Angaben aus Teilnehmerkreisen am Widerstand Brandenburgs. Berlin will sich von Mühlenfeld trennen, weil er Personalentscheidungen gegen den Willen des Aufsichtsrats getroffen hatte. Technikchef Jörg Marks musste gehen. Für ihn kommt Ex-Bahn-Manager Christoph Bretschneider - die Flughafen-Eigentümer waren gegen diese Personalie. Auch der Bund hatte heftige Kritik am Führungsstil des BER-Chefs geübt und sieht das Vertrauensverhältnis erschüttert. Noch ist jedoch unklar, ob Mühlenfeld mit seinem Vorgehen auch wirklich Regelverstöße begangen hat.

Dennoch könnte es für den Manager eng werden. Offenbar war auch ein Teil der zehn Arbeitnehmervertreter im 20-köpfigen Gremium bereit, personelle Konsequenzen zu unterstützen. Die von Berlin vorschlagene Übergangslösung, Engelbert Lütke Daldrup, den Flughafenkoordinator der Senatskanzlei, zum Interimschef der Flughafengesellschaft zu befördern, fand laut Kreisen des Gremiums jedoch keine Mehrheit. Ein weiterer Kandidat, Staatssekretär Rainer Bomba (CDU) aus dem Bundesverkehrsministerium, hatte sich zuvor selbst aus dem Rennen genommen. Aus Regierungskreisen verlautete, er stehe für den Posten nicht zur Verfügung.

Die Eröffnung des künftigen Hauptstadtflughafens BER war seit Baubeginn im Jahr 2006 schon ein halbes Dutzend mal verschoben werden. Das milliardenschwere Bauprojekt ist inzwischen mehr als fünf Jahre im Verzug. Grund sind Technikprobleme, Fehlplanungen und Baumängel. Die Baukosten stiegen seit dem ersten Spatenstich auch deshalb von anfangs zwei auf inzwischen 6,5 Milliarden Euro, wobei ein Teil davon auf Erweiterungen entfällt.

© SZ vom 03.03.2017

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