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Banken:Vierter Umbau in zehn Jahren

Die neue Strategie der Commerzbank berührt auch die Kunden. Sie müssen sich auf höhere Preise für das Girokonto einstellen. Von einer Million "inaktiver" Kunden will sich das Institut trennen.

Der abermalige Umbau der Commerzbank trifft nun auch die Kunden. Die Bank werde "Preisänderungen vornehmen", sagte Vorstandschef Martin Zielke am Freitag in Frankfurt - ohne wirklich Details zu nennen. Dies sei nötig im Zinstief. Am kostenlosen Girokonto für Privatkunden, das lange Zeit fester Bestandteil der Strategie war, um viele neue Kunden anzulocken, halte man zwar fest. Zu welchen Bedingungen die Kunden im Genuss des Gratis-Kontos bleiben, verriet Zielke allerdings ebenso wenig wie die Dienstleistungen, für welche Gebühren anfallen werden. Es ist aber gut möglich, dass Kunden zum Beispiel für Bankgeschäfte in der Filiale mehr bezahlen müssen als beim Online-Banking. Überdies schließt die Bank deutschlandweit 200 von 1000 Filialen - auch dagegen hatte sich das Management lange gewehrt, während viele Konkurrenten reihum ihr Niederlassungs-Netz bereits deutlich verkleinert hatten.

In jedem Fall soll der Plan, den Zielke am Freitagmorgen auf einer Pressekonferenz erläuterte, die zweitgrößte deutsche Privatbank aus dem Rendite- und Aktienkurstief ziehen, in das sie wieder gerutscht ist. Der Name der Strategie: "Commerzbank 5.0". Es ist der vierte Großumbau binnen zehn Jahren. Alle vorherigen Versuche, die zweitgrößte deutsche Privatkundenbank zum Erfolg zu führen, verfehlten ihr Ziel. Auch in den vergangenen zwölf Monaten kassierte das Geldhaus Schritt für Schritt die Prognosen für Kosten und Ertrag. Allen voran das früher prosperierende Mittelstandsgeschäft ist nach der Zusammenlegung von zwei Sparten nur noch ein Schatten seiner selbst. Und auch die neuen Ziele sind wenig ehrgeizig. Bis 2023 strebt die Bank eine Eigenkapitalrendite von gerade einmal vier Prozent an.

Gleichwohl verkauften Zielke und Finanzchef Stephan Engels ihre Strategie von 2016 ("Commerzbank 4.0") als Erfolg: "Diese war richtig, hat funktioniert, und wir haben damit viel erreicht." Das starke Wachstum zeige, dass es sehr wohl möglich sei, im deutschen Bankenmarkt erfolgreich zu sein. Die Profitabilität bleibe aber natürlich ein Problem.

Als eine von mehreren Maßnahmen trennt man sich nun von einer Million "inaktiver" Kunden, von insgesamt zwölf Millionen Kunden. Es handele sich dabei vorrangig um Geschäftsbeziehungen der Dresdner Bank, welche die Commerzbank vor zehn Jahren übernommen hatte. Im Fokus seien weniger Girokonto-Kunden, die kaum Dienstleistungen in Anspruch nehmen, sondern solche, die längst ein Darlehen getilgt haben und nur noch als Datensatz existierten. Offensichtlich also flossen zuvor auch solche "Karteileichen" in die offizielle Kundenzahl mit ein, was angeblich auch bei anderen Kreditinstituten Usus ist. Es müsse aber kein Kunde die Kündigung seines Girokontos befürchten.

Auf Kunden und Mitarbeiter der Comdirect indes kommen große Veränderungen zu. Die digitalaffine Direktbanktochter wird von der Commerzbank komplett geschluckt, integriert und nach 25 Jahren der eigenen Marke beraubt, genauso wie wohl der Standort Quickborn bei Hamburg in seiner jetzigen Form infrage steht. Die Comdirect sei eine erstklassige Direktbank, aber nicht mehr ausreichend gewachsen, sagte Zielke. Kenner der Bank halten den Schritt für fragwürdig. "Viele Banken wünschten sich eine Digitalbank abseits des Konzerns", sagte ein Insider, der nicht genannt werden wollte. Durch die Integration in die sanierungsbedürftige Mutter würde man die Comdirect vermutlich jeglichen Schwungs berauben. "Die Comdirect soll tatsächlich verschwinden?" schrieb der Digitalexperte Jochen Siegert auf Twitter. "Sehr sehr schade - es war immer schön mit Euch und eigentlich müsste Prozess umgekehrt passieren." Analysten kritisierten unterdessen den Verkauf der innovativen und renditestarken Tochter M-Bank in Polen. Der Verkaufserlös soll nun allerdings den weiteren Umbau finanzieren.

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