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Banken:Kahlschlag am Rhein

Die Sparkasse Köln-Bonn schließt jede fünfte Filiale, übrig bleiben Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker. Damit folgt das Institut einem Trend in der Bankenbranche, der sich in den vergangenen Jahren verschärft hat.

Der Filialabbau bei Banken und Sparkassen geht unvermindert weiter. Am Mittwoch kündigte die Sparkasse Köln-Bonn an, dass sie 17 ihrer 82 Zweigstellen schließen will, also jede fünfte Niederlassung. Betroffen sind elf Standorte in Köln und sechs in Bonn, in denen bisher mindestens vier Angestellte arbeiten. Die Filialen werden zu reinen Selbstbedienungs-Standorten mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker umfunktioniert. In weiteren sechs Filialen erprobt die Sparkasse ein neues Modell mit nur noch einem Mitarbeiter, der Bankkunden empfängt und ihnen Dienstleistungen anbietet. Köln-Bonn gehört zu den drei größten Sparkassen Deutschlands.

Der Filialabbau bei Deutschlands Kreditinstituten hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. Ursache ist zum einen der Sparzwang, da die Banken in der Niedrigzinsphase weniger verdienen. Auf der anderen Seite kommen auch immer weniger Kunden in die Filialen. Viele wickeln ihre Bankgeschäfte daheim per Computer oder mobil auf dem Smartphone ab. Die Sparkassen ermittelten, dass jeder Kunde durchschnittlich nur noch einmal im Jahr zur Beratung an den Schalter kommt.

Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, aber auch Großbanken wie die Commerzbank und die Deutsche Bank machen vor allem ihre kleineren Standorte dicht. Nach Daten der Bundesbank schlossen 2018 in Deutschland 2239 von gut 30 000 Bankfilialen. Auf dem Höhepunkt, im Jahr 1997, gab es noch doppelt so viele Niederlassungen, mehr als 63 000. Bei den Sparkassen sank die Zahl der Zweigstellen 2018 um 442 auf 9732, bei den Volks- und Raiffeisenbanken um 500 auf 8955. Und der Filialabbau setzte sich in diesem Jahr fort. So kündigte die Kreissparkasse Ostalb an, 26 von 62 Niederlassungen zu schließen, die Sparkasse Krefeld 19 von 57, die Sparkasse Mittelsachsen 16 von 43. Auch bei den Volks- und Raiffeisenbanken fielen viele Filialen weg. Bei den Volksbanken in Nürnberg und Stuttgart waren es jeweils zehn, bei der Volksbank Ludwigsburg zwölf. Teilweise geben die Institute die Standorte ganz auf, in vielen Fällen bleibt aber in der alten Filiale oder in ihrer Nähe zumindest noch ein Geldautomat erhalten.

So ist es auch bei der Sparkasse Köln-Bonn. "Wir ziehen uns nicht aus der Fläche zurück", betont Sparkassenchef Ulrich Voigt. Sein Institut bleibe an allen Standorten vertreten. Außerdem baue man in den bestehenden Filialen und beim Online- und Telefonbanking die Kapazitäten aus. Die Mitarbeiter aus den geschlossenen Filialen würden künftig dort beschäftigt.

© SZ vom 19.12.2019
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