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Theo Albrecht: Mercedes zu verkaufen:"Der fährt sich wie ein vollbeladener Lkw"

sueddeutsche.de: Der Wagen hat 180.000 Kilometer auf dem Tacho. Sind die Sitze so richtig schön abgewetzt und voller Patina?

Albrecht Auto

Michael Fröhlich aus Düsseldorf sucht für den Aldi-Benz einen Käufer, das Mindestgebot liegt bei 100.000 Euro.

(Foto: dpa)

Fröhlich: Nein, Theo Albrecht war ein ordentlicher Mensch. Der Chauffeur war wohl ein bisschen dicker, sein Sitz ist normal benutzt. Der Platz hinten rechts ist gepflegt. Theo Albrecht war wahrscheinlich ein ordentlich sauberer Mensch. Der kann auch nicht dick gewesen sein, denn dicke Leute scheuern immer die Kanten der Sitze auf. Das kenne ich von vielen Autos, egal ob es sich um Leder oder Stoff handelt. In diesem Fall ist es nur Stoff gewesen, aber selbst diese Stoffkante war nicht abgewetzt.

sueddeutsche.de: Also scheckheftgepflegt?

Fröhlich: Der Wagen ist sehr, sehr gepflegt. Die einzige Gebrauchsspur, die man erkennen kann, ist eine Minibeule im Kofferdeckel.

sueddeutsche.de: Der Wagen hat einmal 1,5 Millionen D-Mark gekostet. Sie verkaufen ihn jetzt als Agentur. Wie viel Geld muss für den Aldi-Benz hingeblättert werden?

Fröhlich: Es geht darum, wer am meisten bietet. Wir starten bei 100.000 Euro.

sueddeutsche.de: Sind Sie selbst mit dem Auto schon gefahren?

Fröhlich: Ja, klar.

sueddeutsche.de: Und, macht's Spaß?

Fröhlich: Überhaupt nicht. Der fährt sich wie ein vollbeladener Lkw. Der Wagen wiegt rund 3,5 Tonnen und ist untermotorisiert. Da hat der Theo Albrecht auch gespart. Es gibt diese S-Klasse natürlich auch mit dicken Fünf-Liter-Motoren - aber er hat den kleinsten Motor genommen, der nötig ist, damit die Karre sich überhaupt bewegt. Albrecht hat damals schon darauf geachtet, dass der Wagen nicht viel Sprit verbraucht, obwohl ... 25 Liter wird der auch verbrauchen, bei dem Gewicht.

sueddeutsche.de: Wer zählt zu den Interessenten?

Fröhlich: Ich habe eine Nachfrage von einem sehr reichen russischen Weinhändler. Der ist gerade noch im Urlaub an der Côte d'Azur, der kommt nächste Woche rüber. Dann gucke ich mal, ob der den haben möchte. Der Wagen soll in gute Hände kommen, um weiter seinen Dienst als lebensrettendes Fahrzeug zu verrichten.

sueddeutsche.de: Welche Lebenserwartung geben Sie dem Wagen überhaupt noch? Der ist ja schon 14 Jahre alt.

Fröhlich: Unbegrenzt. Die Materialien sind vom Allerfeinsten. Wenn der Motor oder das Getriebe kaputtgehen, wird ausgetauscht.

sueddeutsche.de: Warum verkaufen Sie eigentlich keine "normalen" Autos?

Fröhlich: Ich habe eine Agentur für Sammlerfahrzeuge, für historisch wertvolle Autos. Ich habe den Ferrari vom spanischen König Juan Carlos und das Auto von Stalin vermittelt, ganz aktuell habe ich den Wagen von dieser griechischen Sängerin. Wie heißt die doch gleich?

sueddeutsche.de: Vicky Leandros.

Fröhlich: Genau, danke. Von Vicky Leandros steht hier ein Rolls-Royce-Cabrio. Bei mir landen die Autos der Reichen und Schönen.

sueddeutsche.de: Nur den Papst-Golf wollten Sie damals nicht verkaufen. War Ihnen das Auto zu langweilig?

Fröhlich: Der Papst-Wagen ist von der Marke her kein Auto, das in meine Kollektion gehört. Das war ein Golf. Ein billiger alter Golf oder Audi passt bei mir einfach nicht rein.

© sueddeutsche.de/jja

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