Theo Albrecht: Mercedes zu verkaufen Der Mann von Aldi reiste wie James Bond

Schwer gepanzert gegen Bomben und ein Telefon im Kofferraum: Der Wagen von Aldi-Gründer Theo Albrecht ist alles andere als normal. Händler Michael Fröhlich sucht jetzt einen Käufer.

Interview: Melanie Ahlemeier

Aldi-Gründer Theo Albrecht ist tot, jetzt kommt sein schwer aufgerüsteter schwarzer Mercedes S 420 L unter den Hammer. Michael Fröhlich, Besitzer einer Agentur für Autos in Düsseldorf, über die gepanzerte Limousine, welche technischen Rafinessen der Aldi-Benz bereithält - und wo der Aldi-Mann dann doch gespart hat.

Wiegt 3,5 Tonnen und ist schwer gesichert unterwegs: Der schwarze Mercedes S 420 L von Aldi-Gründer Theo Albrecht.

(Foto: dpa)

sueddeutsche.de: Herr Fröhlich, Sie verhökern die gepanzerte Limousine des verstorbenen Aldi-Gründers Theo Albrecht. Wie ist der Wagen zu Ihnen gekommen?

Michael Fröhlich: Bei mir landen immer schräge bis komische Exponate von berühmten oder berüchtigten Menschen. Ich habe Autos von Charlie Chaplin, John Lennon und Mick Jagger vermittelt, außerdem den Hitler-Mercedes. Gerade habe ich hier den Rolls-Royce des russischen Zaren von 1917 stehen. Das Gefährt von Theo Albrecht wurde mir telefonisch avisiert und zum Verkauf angeliefert.

sueddeutsche.de: Was macht den Aldi-Benz so besonders?

Fröhlich: Es ist ein Chauffeurs-Fahrzeug mit verlängertem Radstand. Der Wagen ist gepanzert, der Theo saß hinten rechts. Wer in dem Wagen sitzt, kann nicht gekidnappt oder ermordet werden. Die Fensterscheiben sind 65 Millimeter dick, aus verschiedenen Schichten zusammengeklebt und genauso widerstandsfähig gegen Granaten, Bomben und Raketen wie die Türen, das Dach und der Boden.

sueddeutsche.de: Die Türen können im Extremfall separat abgesprengt werden?

Fröhlich: Ja. Jede Tür hat einen kleinen Knopf zum Absprengen, dann kann man das Auto fluchtartig verlassen. Der Wagen verfügt außerdem über eine eigene Sauerstoffversorgung, falls außen eine Bombe mit Giftgas runtergeht.

sueddeutsche.de: Und die Sauerstoffflasche wird im Kofferraum spazieren gefahren?

Fröhlich: Die ist im Fahrzeug versteckt und zwar so, dass sie keine Bombe darstellt. Ob es eine Sauerstoffflasche oder ein Kasten ist, weiß man nicht. Ich habe den Wagen erst zwei Tage. Alle Besonderheiten habe ich noch gar nicht erkannt. Man sieht auch nicht die Geheim-Mikrofone in den Spiegeln, um die Umwelt abzuhören. Und man sieht auch nicht den Lautsprecher, mit dem Theo Albrecht Kontakt nach außen aufnehmen konnte.

sueddeutsche.de: Die technischen Details erinnern eher an James Bond denn an Otto Normalverbraucher. Wer benötigt ein dermaßen gesichertes Fahrzeug?

Fröhlich: Das brauchen Menschen, die viel Geld und Angst um ihr Leben haben. Das Auto ist für Theo Albrecht eine echte Lebensversicherung gewesen. Seine Entführung im Jahre 1971 hat wahrscheinlich mit dazu geführt, dass sein Auto auch im Kofferraum ein Telefon hat.

sueddeutsche.de: Was ist mit der klassischen Innenausstattung? Finden sich auch dort kostspielige Extras?

Fröhlich: Da hat der Albrecht seinem Namen alle Ehre gemacht. Es ist die billigste Ausstattung. Die Stoffsitze sind nichts Besonderes, das Radio war billig. Der einzige Mini-Luxus, den er sich gegönnt hat, ist eine eigene kleine Klimaanlage für längere Fahrten.

sueddeutsche.de: Kein Tisch? Keine Minibar mit Aldi-Champagner?

Fröhlich: Nichts, gar nichts.