Auftragseinbruch bei Infineon:Fast zwei Milliarden Euro in der Kasse

Bereits Ende Juli hatte Infineon bekannt gegeben, die Investitionen von 900 Millionen Euro 2012 auf 500 Millionen Euro 2013 zurückzufahren und die Zahl der Mitarbeiter nicht mehr steigern zu wollen. Für den Fall, dass die Konjunktur weiter an Schwung verliert, hatte Ploss schon einmal als nächsten Schritt einen Einstellungsstopp ins Spiel gebracht. Und seit der Maßnahmen-definieren-Mitteilung von Ende September ist klar, dass sich das Umfeld tatsächlich verschlechtert hat.

Im Werk in Warstein arbeiten außerdem seit Monatsbeginn etwa 530 Beschäftigte kurz, die Fabrik in der Bier-Metropole stellt Chips her, die in Motoren von Elektroloks oder in Windkraftanlagen benötigt werden. Doch wird immer weniger benötigt, weil Subventionen für grünen Strom gekappt wurden und die Windbranche daher in der Krise steckt. Gute 40 Prozent des Umsatzes erzielt Infineon aber in einem anderen Bereich: Das Unternehmen ist weltweit zweitgrößter Produzent von Chips für Autos.

In der Wirtschaftskrise 2009, als die Autohersteller ihre Fahrzeuge kaum mehr loswurden, brach hier Infineons Umsatz um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr ein. Von einer derartigen Vollbremsung ist die Autobranche zwar jetzt weit entfernt, doch die Anbieter drosseln zumindest ihre Fertigung. Folglich rechnen Analysten damit, dass auch Infineons wichtige Autosparte 2013 weniger erlöst.

Die Firma selbst hat bislang nur mitgeteilt, dass der Gesamtumsatz im laufenden Quartal bis zu zehn Prozent unter dem Wert vom Sommer liegen wird. Für diesen Abschwung ist der Konzern allerdings besser gerüstet als für vergangene Krisen; anders als 2009 drohen keine hohen Verluste und Existenznöte.

Die Kasse ist mit 1,9 Milliarden Euro gut gefüllt, und die Kosten sind so niedrig, dass drei Milliarden Euro Umsatz reichen, um Gewinn zu machen - dies versprach der Vorstand zumindest auf der Hauptversammlung. Im Geschäftsjahr 2012, das im September endete, waren es wohl 3,9 Milliarden Euro Umsatz.

Die Bereitschaft der Beschäftigten, dem Margenziel zuliebe Opfer zu bringen, ist deswegen eng begrenzt: "Es kann nicht sein, die Marge auf Kosten der Mitarbeiter retten zu wollen", sagt der Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Alfred Eibl. Immerhin hat Vorstandschef Ploss einige Erfahrung beim Ringen mit der Gewerkschaft. Vor seinem Aufstieg war der Ingenieur unter anderem Arbeitsdirektor bei dem Konzern. Vielleicht hilft das ja.

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