Auftraggeber US-Militär:Schützen, bauen, Glühbirnen tauschen

Lesezeit: 3 min

Hauptversammlung Bilfinger Berger

Baukonzerne sind aktiv fürs US-Militär

(Foto: Ronald Wittek/dpa)

Die USA bringen nicht nur Drohnen und Spione in die Bundesrepublik - sondern auch sehr viel Geld. Zahlreiche deutsche Unternehmen sichern sich lukrative Aufträge von US-Militär und -Geheimdiensten. Welche Firma am stärksten profitiert.

Von Bastian Brinkmann und Oliver Hollenstein

Die Stadt Erlensee hat ein Ortsgericht, ein Hallenbad und drei Grundschulen; der Polizeiposten ist an der Rückseite des Rathauses zu finden und nur die vier Friedhöfe sind für eine Stadt mit 13.500 Einwohnern vielleicht ein bisschen zu großzügig geraten. Reisende kennen die im Main-Kinzig-Kreis in Hessen gelegene Stadt vielleicht wegen des Autobahnanschlusses Erlensee/Langenselbold, den sie manchmal passieren, wenn sie mit dem Auto zum 40 Kilometer entfernten Großflughafen in Frankfurt fahren.

Aber in den USA ist das Städtchen, dessen Bürgermeister mit dem Spruch "Wirtschaft, das sind wir alle" wirbt, durchaus manchem Sicherheitsfachmann ein Begriff. In Erlensee liegt die Zentrale der Firma Pond Security, die im Logo den Weißkopfseeadler und die Farben der amerikanischen Flagge führt und allein im vergangenen Jahr mit dem amerikanischen Staat Verträge in Höhe von mehr als 98 Millionen Dollar geschlossen hat. Viel Geld für die Sicherheit: Die Aufträge betreffen überwiegend die Bewachung sensibler amerikanischen Anlagen in Deutschland. Die Pond'sche Übersetzung des Bürgermeister-Spruchs könnte also lauten: Amerika, das sind wir alle.

Mitarbeiter der hessischen Firma bewachen beispielsweise den geheimnisumwitterten "Dagger Complex" bei Darmstadt-Griesheim, wo der militärische Arm der Spionagetruppe NSA (INSCOM) sitzen soll. Auch die NSA-Leute vom "European Cryptologic Center" sollen dort geheim arbeiten. Der wichtigste Part des Komplexes, die sogenannte Ice-Box, von der aus wohl tüchtig überwacht und abgefangen wird, liegt unter der Erde.

Andererseits: Pond? Erlensee?

Auftraggeber US-Militär: Millionenumsätze mit Wachschutz: Mitarbeiter von Pond Security vor dem Dagger-Complex

Millionenumsätze mit Wachschutz: Mitarbeiter von Pond Security vor dem Dagger-Complex

(Foto: NDR)

Das pfälzische Landstuhl mit dem größten US-Militärhospital in Europa, die ganze Region "Kaiserslautern, Military Community", die Westpfalz, die Eifel oder Bad Aibling - das waren viele Jahre die Stichworte, wenn es ums US-Militär und verwandte Einrichtungen in Deutschland ging. Im Irakkrieg wurden viele tausend verletzte US-Soldaten nach Landstuhl gebracht. Und Amerika, das war für die Deutschen, die in diesen Regionen leben, nie nur George W. Bush oder Barack Obama, sondern der Nachbar nebenan, der in deutschen Vereinen kegelt, ins Theater geht, sympathisch ist - und der auch viel Geld im Land lässt. Es gibt in Deutschland Regionen, die ohne die US-Militärs nicht überleben könnten. Die US-Botschaft in Berlin kam vor wenigen Jahren zu dem Ergebnis, das amerikanische Militär sorge in Deutschland für ein wirtschaftliches Plus von fünf Milliarden Dollar. Die Zahl soll möglichst positiv klingen, klar. Aber es geht in jedem Fall um richtig viel Geld.

Und dann ist da noch das Schattenreich der US-Geheimdienste, die sich auch auf den Liegenschaften des US-Militärs breitgemacht haben und von dort aus "Krieg gegen den Terror" führen, wie sie das nennen. Was das Militär treibt und was die Geheimdienste, das ist manchmal nur schwer voneinander zu trennen. Fest steht aber: Auch von diesem Krieg profitieren deutsche Unternehmen. Analysen der offiziellen US-Datenbank für Staatsaufträge, deren Kürzel FPDS ist, zeigen, dass deutsche Unternehmen allein im vergangenen Jahr Aufträge von US-Einrichtungen in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar erhielten. Das sind umgerechnet etwa 790 Millionen Euro.

Unternehmen aus dem Bundesland Hessen bekommen die meisten Aufträge. Sie haben gewissermaßen einen Standortvorteil: Frankfurt gilt auch als Hauptstadt der US-Spione in Deutschland.

Mittelständler liefert Büromöbel für Geheimdienst

Die ganz sensiblen Aufträge gehen natürlich nicht an deutsche Firmen, sondern an US-Unternehmen. Das ist nicht ungewöhnlich. Seit Jahren wird etwa an der neuen BND-Zentrale in Berlin gewerkelt und da gilt auch umgekehrt: Amerikanische Firmen und Dienste müssen draußen bleiben.

Die Sichtung der FPDS-Daten zeigt, dass eine in Wiesbaden ansässige Verbindungsgruppe verschiedener Geheimdienste Büromöbel für ihre Mitarbeiter auch bei mittelständischen deutschen Unternehmen kauft. Das Beschaffungsbüro der Army, das die Bauaufträge im Dagger-Complex oder das neue Consolidated Intelligence Center in der Wiesbadener Clay-Kaserne organisiert, hat seit 2008 Aufträge in Höhe von mehr als sechs Milliarden Dollar vergeben - davon sehr viele an Baufirmen. Auch deutsche Unternehmen profitieren davon. Millionenaufträge gingen beispielsweise an Bilfinger Berger, den Baukonzern Mickan oder die Klebl GmbH.

Der Hausmeister-Service wird traditionell ausgelagert. Da geht es um kleinere Reparaturen oder das Verlegen von Kabeln. In dieser sogenannten Liegenschaftsverwaltung ist besonders ein Unternehmen aus Franken aktiv, die SKE-Gruppe.

Manche Aufträge vergeben die USA an die Bauämter und Baufirmen der Länder. Auch sie haben in den vergangenen Jahren Hunderte Millionen Dollar durch Geschäfte mit den USA gemacht. Allerdings erstatten die USA seit dem Abschluss eines Verwaltungsabkommens im Jahr 1975 die Bauherren- und Planungskosten, also die Arbeit der Bauverwaltung, der Architekten, der Bauingenieure nur mit einem Pauschalbetrag: im Schnitt sechs Prozent der Bausumme.

Doch in den vergangenen knapp vier Jahrzehnten sind die durchschnittlichen Baukosten stark gestiegen. Das wird nicht berücksichtigt (mehr dazu hier). Die Differenz zahlt, wie immer, der Steuerzahler. Aktuell gebe es keine Bestrebungen, das Abkommen zu erneuern, heißt es beim zuständigen Bundesverkehrsministerium.

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