Automobilindustrie Audi streicht Nachtschicht in Ingolstadt

Auto-Produktion in einem Werk in Ingolstadt.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
  • Der Automobilhersteller Audi will in seinem Ingolstädter Werk zum 1. Mai eine seiner drei Nachtschichten streichen.
  • Zwischen 22 und sechs Uhr arbeiten dort bislang mehrere Hundert Beschäftigte - und erhalten dafür Nachtzuschläge von 30 Prozent.
Von Max Hägler und Vivien Timmler

Im Ingolstädter Audi-Werk stehen künftig nachts einige Bänder still. Der Automobilhersteller will seine Produktion teilweise von einem Dreischicht- auf ein Zweischichtsystem umstellen und streicht in diesem Zuge zum 1. Mai eine seiner drei Nachtschichten. Das bestätigte am Dienstag ein Unternehmenssprecher. Betroffen ist demnach die Montagelinie 1, auf der in der Nacht die Audimodelle A4 und A5 montiert werden. Die Tagesschicht solle im Gegenzug schneller getaktet werden. Ziel sei es, durch den Wegfall der Schicht einen zweistelligen Millionenbetrag einzusparen.

Aus dem Audi-Betriebsrat ist Bedauern über diesen Schritt zu vernehmen. Nachtschichten bedeuten für die Beschäftigten bislang Aufschläge von 30 Prozent - Geld, auf das viele von ihnen nicht so einfach verzichten wollen und können. Einige Mitarbeiter machen seit Jahren ausschließlich Nachtschichten. Dem Unternehmen zufolge sind von dem Schritt etwa 450 Mitarbeiter betroffen, die direkt an der Montagelinie arbeiten, sowie eine unbestimmte Zahl von Beschäftigten aus angrenzenden Bereichen. Mit ihnen sollen zunächst Einzelgespräche geführt werden, um Lösungen zu finden.

Bram Schot will Sparprogramm auf Management-Ebene

Bei Audi kriselt es gehörig. Die VW-Tochter hat im vergangenen Jahr nur 1,8 Millionen Autos verkauft und ist damit hinter die Rivalen Mercedes und BMW zurückgefallen. Auf allen Märkten ging der Absatz für den Autobauer zurück: in Europa, in den USA und in China. Noch immer gibt es beim Autobauer große Probleme mit den neuen Abgasregeln ("WLTP"). Viele Fahrzeuge sind zwar gebaut, lassen sich aber nicht verkaufen, weil die Zulassung fehlt. Auch der Umsatz sank auf 59,2 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn brach um 24 Prozent ein auf 3,53 Milliarden Euro.

Um Geld einzusparen, will der neue Audi-Chef Bram Schot unter anderem ein Sparprogramm auf Management-Ebene durchsetzen. Mindestens zehn Prozent der etwa zweieinhalbtausend Führungskräfte sollen in den kommenden Jahren gehen. Das Einsparpotenzial soll im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen.

Ein weiteres Problem für Audi: Der Standort Ingolstadt hat zuletzt im VW-Universum rasant an Bedeutung verloren. Einst als der Ort angesehen, an dem im Unternehmen Innovationen stattfinden, ist das Werk mittlerweile hinter seinen Ruf zurückgefallen. Inzwischen liegen die Ingolstädter selbst bei der Produktivität in den Fabriken weit hinten. In Ingolstadt sollten 2019 ursprünglich etwa eine halbe Million Autos gefertigt werden - mittlerweile rechnet man mit deutlich weniger Fahrzeugen. Hinzu kommen die Kratzer im Image: Seit im Dieselskandal immer deutlicher geworden ist, dass Audi so etwas wie "die Mutter des Betruges" gewesen ist, sei die Kultur endgültig verfallen, sagen Audianer.

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