Argentinien Exporte werden zwar billiger, Importgüter aber auch viel teurer

Erleichterte Investitionen, Schuldenbekämpfung, freier Wechselkurs: Trotz der wirtschaftsfreundlichen Politik Macris geht es dem Land noch miserabel. Im Jahr 2016 schrumpfte die Wirtschaft um gut zwei Prozent. Der Boom der argentinischen Aktien ist ein typisches Beispiel für eine Schwellenländer-Börse: Die Hoffnung auf baldige Besserung zählt mehr als harte Konjunkturdaten.

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Der Grund für die momentane Malaise sind nicht nur die Erblasten der Vorgänger, Macris Reformen haben die Probleme noch verschärft. Nach der Wechselkurs-Freigabe hat der Peso zwischenzeitlich gut 40 Prozent an Wert verloren. "Dadurch laufen die Exporte zwar langsam an", sagt Mauro Toldo, Schwellenländer-Experte der Deka-Bank. Gleichzeitig verteuern sich die Importe, die Preise für viele Güter stiegen. Die ohnehin hohe Inflationsrate lag zwischenzeitlich bei rund 40 Prozent. Darunter leidet die Binnenkonjunktur: Die Gehälter vieler Argentinier sind nicht so gestiegen wie die Inflation, sie verloren also Kaufkraft. Gleichzeitig müssen sie von relativ gesehen niedrigeren Löhnen mehr Geld für Energie abzwacken, weil die Subventionen wegfallen. "Macri hat nicht bedacht, wie stark dieser Schritt Ärmere trifft. Das ist sozial unfair", sagt Experte Toldo. Allein bis Mitte 2016 sind 1,5 Millionen Argentinier in die Armut gerutscht.

Das Reformprojekt könnte abrupt enden

Dabei hätte Macri den Reformschock abmildern können, wenn er den Peso nicht sofort, sondern schrittweise freigeben hätte. Wenn er die Energiesubventionen zwar für die Besserverdienenden sofort abgeschafft hätte, aber für die Armen nur sehr langsam. Durch seinen abrupten Reformkurs könnte er seinen eigenen Untergang einleiten. Seine Beliebtheit sinkt, es gab Massenproteste. Und im Herbst wählt das Land Teile des Parlaments neu, ein Oppositionssieg kann das Reformende bedeuten.

Macri wird sich nur halten können, wenn seine Reformen endlich wirken, was Experten erwarten. Sie prognostizieren für 2017 ein Wirtschaftswachstum von bis zu drei Prozent. Das setzt erstens voraus, dass die Inflation sinkt, was nicht ausgemacht ist. Viele Energieversorger heben die Preise wohl erneut an, um profitabel arbeiten zu können. Zweitens müssen die Exporte weiter anziehen, was schwierig wird. Einer der größten Handelspartner sind die USA, die künftig hohe Zölle auf Waren anderer Länder erheben könnten.

Argentinien würde vermutlich weniger exportieren - und Macri könnte die Wahl verlieren. Im Néstor-Kirchner-Gedächtnis-Gebäude zu Buenos Aires haben dann wohl wieder Linke das Sagen. Sie organisieren so schnell keinen Investorengipfel.

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