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Arbeitsmarkt:Wachsende Not in den USA

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lag in der vergangenen Woche bei 6,6 Millionen - so hoch wie noch nie zuvor.

Die Corona-Krise schlägt mit enormer Wucht auf den US-Arbeitsmarkt durch: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist dramatisch gestiegen. In der Woche bis zum 28. März verdoppelte sie sich auf nunmehr 6,6 Millionen, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte - ein trauriger Rekord. Das unabhängige Haushaltsamt im US-Kongress rechnet für das zweite Quartal jetzt sogar mit einer Arbeitslosenquote von mehr als zehn Prozent. Die Wirtschaftsleistung werde von April bis Juni voraussichtlich um mehr als sieben Prozent zurückgehen, sagte der Direktor des Amtes, Phillip Swagel. Der Rückgang könnte aber je nach Verlauf der Epidemie auch deutlich stärker ausfallen, warnte er. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe wird unter Ökonomen stark beachtet, weil sie der wichtigste Indikator für die kurzfristige Entwicklung des US-Arbeitsmarkts und damit auch für die Entwicklung der Wirtschaft des Landes insgesamt ist. 6,6 Millionen Erstanträge binnen einer Woche - das bedeutet nun, dass die USA auf einen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Rekordhöhe und einen dramatischen Einbruch der Wirtschaft zusteuern. Schon die Zahl der Erstanträge in der Woche zuvor war mit 3,3 Millionen die höchste seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Eigentlich hatten von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten auch dieses Mal mit 3,5 Millionen Erstanträgen gerechnet. Vor allem das Tempo des Niedergangs gilt als beunruhigend: Bis vor wenigen Wochen hatte die Zahl der Erstanträge noch regelmäßig unter 100 000 pro Woche gelegen. Und ganze 113 Monate in Folge hatten zuletzt US-Unternehmen ihre Jobangebote kontinuierlich ausgeweitet - ein Zuwachs, wie es ihn seit Beginn der Aufzeichnungen noch nie zuvor gegeben hatte. Bernd Weidensteiner von der Commerzbank sprach denn auch von einer Vollbremsung, die die US-Wirtschaft in der zweiten Märzhälfte hingelegt habe.

Die Antragszahlen dürften auch noch eine Zeitlang hoch bleiben, schon weil vielerorts noch gar nicht alle Anträge bearbeitet werden konnten. Bereits in der Vorwoche waren die Webseiten der Behörden aufgrund der enormen Aufrufzahlen teils unerreichbar gewesen. Hinzu kommt, dass der Kreis der Anspruchsberechtigten auf die bislang sehr begrenzte Arbeitslosenhilfe erweitert wird. Zudem soll es Arbeitgebern künftig möglich sein, Angestellte für bis zu vier Monate zu beurlauben anstatt sie zu entlassen. In dieser Zeit kommt der Staat für das Gehalt auf.

© SZ vom 03.04.2020

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