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Arbeitsmarkt:Vier Millionen in Kurzarbeit

Durch die Corona-Krise könnte sich die Ungleichheit am Arbeitsmarkt verschärfen, warnt die Böckler-Stiftung.

Derzeit sind etwa vier Millionen Beschäftigte in Deutschland in Kurzarbeit. Dies ergab eine Auswertung und Hochrechnung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Die Berechnung beruht auf Ergebnissen einer Online-Befragung von 7677 Erwerbstätigen. Damit arbeiten momentan fast zehn Prozent der rund 45 Millionen Erwerbstätigen kurz. Gut ein Drittel der Befragten gab an, dass ihr Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld aufstocke. Die Kurzarbeit wird eingesetzt, um in Wirtschaftskrisen Entlassungen zu vermeiden. Beschäftigte erhalten dann normalerweise 60 Prozent - mit Kindern 67 Prozent - ihres Nettoverdienstausfalles von der Bundesagentur für Arbeit.

Durch die Corona-Pandemie könne sich die Ungleichheit am Arbeitsmarkt verschärfen, warnt die Böckler-Stiftung. Beschäftigte mit niedrigem Einkommen sowie Frauen seien besonders belastet. "Bestimmte gesellschaftliche Gruppen sind vor den Auswirkungen der Krise schlechter geschützt als andere. Das kann langfristig negative Auswirkungen auf den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft haben", warnt Bettina Kohlrausch. Die Soziologin ist designierte Wissenschaftliche Direktorin des WSI, sie hat die Befragung ausgewertet. Demnach schätzen 40 Prozent der Befragen, mit dem normalen Kurzarbeitergeld maximal drei Monate finanziell auskommen zu können. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat sich unlängst für eine staatliche Aufstockung des Kurzarbeitergeld auf 80 und 87 Prozent ausgesprochen. Zuvor hatten dies vor allem Gewerkschaften gefordert. "Wir brauchen ein klares Signal an die Menschen, dass auch sie jetzt über diese schwierige Zeit gebracht werden und nicht in der Sozialhilfe landen", sagt Reiner Hoffmann, Vorsitzender des DGB und des Vorstands der Hans-Böckler-Stiftung. In der Finanzkrise 2008/2009 hatten bis zu 1,4 Millionen Beschäftigte kurzgearbeitet.

© SZ vom 22.04.2020

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