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Arbeitslosigkeit steigt weltweit:Internationale Arbeitsorganisation attackiert Sparkurs der Regierungen

Die Wirtschaft bricht ein, die Arbeitslosigkeit steigt - die Regierungen bekommen die Folgen der Finanzkrise nicht in den Griff. Deshalb schlägt die Arbeitsorganisation der UN Alarm: Gerade die Sparpakete der Politik machen alles schlimmer. Die Forscher warnen vor sozialen Unruhen.

Es ist ein Appell an Europas Regierungen, ihre Krisenstrategie zu überdenken: Die Internationale Arbeitsorganisation ILO schlägt Alarm, weil die Sparprogramme ihren Ökonomen zufolge verhindern, dass sich die Arbeitsmärkte von den Folgen der Finanzkrise erholen können. In ihrem Bericht zur globalen Joblage warnte die UN-Organisation die Regierungen sogar davor, indirekt Unruhen auszulösen (PDF-Datei hier).

Spanien Arbeitslosigkeit Rezession

Spanier vor einem Jobbüro in Madrid.

(Foto: REUTERS)

Die ILO zieht eine verheerende Bilanz der Finanzkrise. Weltweit gingen seit 2008 etwa 50 Millionen Arbeitsplätze verloren. Die Arbeitslosenquote werde 2012 auf 6,1 Prozent steigen. Das seien 202 Millionen Menschen - drei Prozent mehr als die vorläufige Zahl für 2011, die bei 196 Millionen Menschen liegt. Im Jahr 2013 würden voraussichtlich noch einmal fünf Millionen Menschen hinzukommen, was einer Quote von 6,2 Prozent entspreche.

Es werden nicht wieder so viele Arbeitsplätze entstehen wie vor der Krise - und das liege an der einseitigen Strategie der Politiker, sagen die ILO-Ökonomen. Die Regierungen sparten massiv, ohne gleichzeitig etwas für neue Arbeitsplätze zu tun. Die Mischung aus Kahlschlag und Liberalisierung der Arbeitsmärkte habe "verheerende Auswirkungen" auf die Schaffung neuer Jobs.

Die Organisation zeigte sich besonders besorgt über die Entwicklungen in Europa, wo seit 2010 in mehr als zwei Dritteln der Länder die Arbeitslosenzahlen anstiegen. In Spanien stieg die Quote gerade auf ein Rekordhoch: Jeder Vierte ist hier ohne Job. Setzten Europas Politiker weiter nur auf diese Politik des Kahlschlags, drohe dem ganzen Kontinent eine Rezession. In Staaten wie Großbritannien, Italien oder Spanien ist die Konjunktur bereits wieder eingebrochen.

"Die Strategie des Sparens und Regulierens sollte zu mehr Wachstum führen, was jedoch nicht geschieht", sagte der ILO-Direktor für internationale Arbeitsmarktstudien und Hauptautor des Berichts, Raymond Torres. Die Spar-Strategie sei damit "kontraproduktiv" gewesen. Torres bescheinigte den EU-Staaten, "wenig durchdachte" Sparprogramme aufgelegt zu haben. Als Beispiel nannte er Spanien, wo das Haushaltsdefizit trotz drastischer Einsparungen nur von gut neun Prozent im Jahr 2010 auf 8,5 Prozent 2011 gesunken sei.

Der Wirtschaftseinbruch hat Folgen, analysiert die ILO: Ökonomische Ungleichheit innerhalb der Gesellschaften führe zu Unzufriedenheit und damit zu sozialen Spannungen. In vielen Staaten der Welt ist das Risiko von Unruhen laut ILO gestiegen. Das gelte nicht nur für afrikanische Staaten, sondern auch für MIttel- und Osteuropa.

Für die deutsche Regierung hat die ILO eine Empfehlung: Bei Mini-Jobs und Leiharbeit bestehe hierzulande Handlungsbedarf. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für solche atypische Beschäftigung sei eine der wichtigsten Herausforderungen in Deutschland.