bedeckt München 23°
vgwortpixel

Anklage gegen Deutsche-Bank-Chef Fitschen:Eine Frage der Zeit

File photo of Fitschen Co-CEO of Deutsche Bank

Jürgen Fitschens Vertrag als Chef der Deutschen Bank läuft noch bis 2017.

(Foto: REUTERS)

Wird Jürgen Fitschen seinen Vertrag erfüllen können? Das hängt davon ab, ob und wann es zu einem Prozess gegen den Co-Chef der Deutschen Bank im Kirch-Verfahren kommt.

Die Deutsche Bank hat schon genug Probleme. Das Letzte, was das Geldhaus jetzt noch brauchen könnte, wäre eine Führungskrise, weil einer der Chefs vor Gericht verurteilt wird. Das weiß auch Jürgen Fitschen. Gemeinsam mit Anshu Jain leitet er das größte Kreditinstitut der Republik, sein Vertrag läuft noch bis Frühjahr 2017, dann wird er 68 Jahre. Aber wird Fitschen seinen Vertrag erfüllen können? Oder muss er, um Schaden von der Bank abzuwenden, vorzeitig abtreten?

Entschieden wird darüber nicht in Frankfurt, sondern in München bei der bayerischen Justiz. Denn die bereitet gerade eine Anklage gegen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere Ex-Vorstände der Deutschen Bank vor. Der Vorwurf lautet: versuchter Prozessbetrug im Fall Kirch. Schon in wenigen Wochen könnte die Anklage vorliegen.

Vieles hängt vom Tempo der Justiz ab

Fitschens Ziel ist klar: Er will das lästige Verfahren so schnell wie möglich beenden. Falls dies nicht gelingt, wäre es aus Sicht der Bank wohl am besten, wenn sich der drohende Prozess und dessen Beginn so weit wie möglich in die Länge zieht. Idealerweise würde das Münchner Landgericht erst dann ein Urteil fällen, wenn Fitschen schon in Rente ist - also erst im Laufe des Jahres 2017.

Ob es tatsächlich so kommt, hängt aber nicht bloß von Fitschen und dessen gewieftem Verteidiger Hanns W. Feigen ab, der schon Uli Hoeneß verteidigt hat. Sondern es hängt auch vom Tempo der bayerischen Justiz ab. Nach Angaben aus den Kreisen von Verfahrensbeteiligten ist ein mehrere Hundert Seiten langer Entwurf für die Anklage inzwischen fertig und liegt der Generalstaatsanwaltschaft und dem bayerischen Justizministerium vor.

Bedeutsame Verfahren, die öffentliches Aufsehen erregen, müssen dem Ministerium gemeldet werden. Noch im Sommer, nach Möglichkeit sogar noch im August, soll die Anklage unterschrieben und bei der fünften Strafkammer des Landgerichts München I unter Vorsitz von Peter Noll eingereicht werden. Das ist jene Strafkammer, bei der gegenwärtig der Schmiergeldprozess gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone läuft.

Mit einer schnellen Entscheidung, ob Noll die Anklage dann zulässt und es zu einem Gerichtsverfahren gegen Fitschen & Co. kommt, ist allerdings nicht zu rechnen. Die Causa ist kompliziert. Und die Verteidiger der fünf Beschuldigten werden bestimmt mit langen Schriftsätzen versuchen, die Vorwürfe zu entkräften und einen Prozess zu verhindern.